In dieser Woche stammen die Radioandachten der Sendung "Himmel und Erde" von mir. Das gesamte Manuskript kann hier als PDF heruntergeladen werden. Tag für Tag werde ich auch hier im Blog die entsprechenden Texte veröffentlichen.
Begegnen
Wer pilgert, bleibt nicht lange allein. Überhaupt: wer draußen unterwegs ist, findet schnell andere mit ähnlichen Interessen. Leute mit Hund kennen das gut vom Gassi gehen. Pilgerinnen und Pilger auch. Man grüßt jemanden, geht ein paar Schritte zusammen, dann trennen sich die Wege wieder. Bei einem Stopp in einem Gasthaus oder einer Herberge können diese Begegnungen auch länger andauern. Man tauscht Erfahrungen aus oder schweigt miteinander in stiller Übereinkunft.
Beim Pilgern kommt es immer wieder auch zu Begegnungen, die nicht sofort als solche zu erkennen sind. Da ist die Natur – wunderschön und so verletzlich. Da sind die Vielfalt der Farben und Formen, der Gesang der Vögel, der Klang des Windes in den Bäumen oder das Sprudeln eines Baches. Sehr viel intensiver nehme ich all dies beim Pilgern wahr. Die Schöpfung fängt an zu sprechen. Die Sonne brennt heiß und hell, der Regen bringt Abkühlung, aber die Nässe nervt. Im Wald ist es kühl, aber auch manchmal unheimlich, besonders, wenn ich allein unterwegs bin. Manches Märchen schleicht sich da in die Erinnerung.
Aber nicht nur äußere Begegnungen gehören zu den Erfahrungen beim Pilgern: ich begegne auch mir selbst. Wie reagiere ich zum Beispiel auf die heiße Sonne? Nervt mich der Regen? Lässt er mich innerlich so schimpfen und murren, dass ich den Regenbogen übersehe? Oder spüre ich in mir eine Gelassenheit, die den Weg einfach so nimmt, wie er sich mir zeigt? Es ist spannend und aufschlussreich, mich selbst beim pilgernden Gehen ein wenig zu beobachten!
In besonderen Momenten kann ich beim Pilgern auch spüren, dass ich nicht alleine unterwegs bin, selbst wenn ich keinen Menschen sehe. Manchmal gibt es da eine unerschütterliche Gewissheit, dass da einer mit mir geht. Einer, von dem der Psalm 139 bekennt: „Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine schützende Hand auf mich.“ Das ist ein wichtiges Versprechen. Mehr noch: eine sehr kostbare Erfahrung. Sie kann einen Pilgerweg zum Leuchten bringen und weit strahlen - bis in den Alltag hinein.
Ich wünsche auch Ihnen eine Ahnung davon, in Seiner unaufdringlichen Gegenwart und zusammen mit diesem unsichtbaren Begleiter unterwegs zu sein.
Donnerstag, 23. Juni 2016
Mittwoch, 22. Juni 2016
Pilgern vor der Haustür - Pausen
In dieser Woche stammen die Radioandachten der Sendung "Himmel und Erde" von mir. Das gesamte Manuskript kann hier als PDF heruntergeladen werden. Tag für Tag werde ich auch hier im Blog die entsprechenden Texte veröffentlichen.
Pausen
Pilgern und Wandern sind zur Zeit sehr beliebt. Beides kann ich in kleiner Dosis auch in meinen Alltag integrieren. Und ich kann von den Erfahrungen des Pilgerns für meinen Alltag lernen.
Auf jeder langen Wanderung oder einem weiten Pilgerweg werde ich irgendwann müde. Die Beine wollen nicht mehr. Die Füße tun weh. Der Körper fordert sein Recht. Hunger und Durst melden sich. Ich brauche eine Pause, einen Rastplatz.
Dabei will man doch gerade zu Beginn eines neuen Weges gerne schnell unterwegs sein! Manchmal sind zwar die Füße fix, aber das Innere, die Seele kommt nicht so schnell hinterher. Dann ist es gut, inne zu halten und eine Rast zu machen. Am besten an einem schönen Platz , mit einem besonderen Ausblick. Das tut dann auch der Seele gut.
Leib und Seele wollen gut gepflegt sein während eines Pilgerwegs. Beim Körper ist das ziemlich offensichtlich: wenn er schlapp macht, wird der weitere Weg schwierig. Besonders die Füße sind unterwegs gefordert. Schnell entsteht da eine Blase. Wird sie nicht gut behandelt, wird jeder weitere Schritt zur Qual. Es geht dann einfach nicht mehr, im wahrsten Sinn des Wortes.
Auch im Alltag tut es gut, die Füße ein wenig zu verwöhnen. Sie einzucremen zum Beispiel und ihnen - und damit auch mir selbst - ein paar Streicheleinheiten zu gönnen.
Geist und Seele brauchen ebenfalls solche Pausen und Streicheleinheiten. In der Schule passt die Pausenglocke darauf auf, dass Kinder und Jugendliche das Lernen rechtzeitig unterbrechen. Als Erwachsene müssen wir selbst auf uns achten. Denn wie beim Pilgern sind auch im Alltag Pausen überaus wichtig. Wenn ich merke: es geht nicht mehr. Dann brauche ich Zeit zum Durchatmen. Zum Recken und Strecken des Körpers, wenn er gerade lange sitzen musste. Oder um ihm Ruhe zu gönnen, nach einer körperlich anstrengenden Arbeit. Manchmal braucht es auch eine Pause, damit die Seele nachkommen kann.
Beim Pilgern erlebe ich immer wieder: Ich bin mit einer Pilgergruppe den ersten Kilometer unterwegs, da fällt die Gruppe in zwei Teile. Ein Teil braucht auf einmal mehr Zeit. Vielleicht erleben diese Pilgerinnen und Pilger gerade in diesem Moment: So schnell kann ich jetzt nicht. Ich brauche ein anderes Tempo mit den Füßen, damit meine Seele nachkommen kann. Dann ist es gut, aufeinander zu warten.
Pausen sind wichtig. Der ganze Mensch braucht Pausen.
Die bedeutende Mystikerin und Kirchenlehrerin Teresa von Avila hat das vor vielen Jahren so gesagt: "Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen." Tun auch Sie sich selbst heute etwas Gutes. Gönnen Sie sich regelmäßig Pausen.
Pausen
Pilgern und Wandern sind zur Zeit sehr beliebt. Beides kann ich in kleiner Dosis auch in meinen Alltag integrieren. Und ich kann von den Erfahrungen des Pilgerns für meinen Alltag lernen.
Auf jeder langen Wanderung oder einem weiten Pilgerweg werde ich irgendwann müde. Die Beine wollen nicht mehr. Die Füße tun weh. Der Körper fordert sein Recht. Hunger und Durst melden sich. Ich brauche eine Pause, einen Rastplatz.
Dabei will man doch gerade zu Beginn eines neuen Weges gerne schnell unterwegs sein! Manchmal sind zwar die Füße fix, aber das Innere, die Seele kommt nicht so schnell hinterher. Dann ist es gut, inne zu halten und eine Rast zu machen. Am besten an einem schönen Platz , mit einem besonderen Ausblick. Das tut dann auch der Seele gut.
Leib und Seele wollen gut gepflegt sein während eines Pilgerwegs. Beim Körper ist das ziemlich offensichtlich: wenn er schlapp macht, wird der weitere Weg schwierig. Besonders die Füße sind unterwegs gefordert. Schnell entsteht da eine Blase. Wird sie nicht gut behandelt, wird jeder weitere Schritt zur Qual. Es geht dann einfach nicht mehr, im wahrsten Sinn des Wortes.
Auch im Alltag tut es gut, die Füße ein wenig zu verwöhnen. Sie einzucremen zum Beispiel und ihnen - und damit auch mir selbst - ein paar Streicheleinheiten zu gönnen.
Geist und Seele brauchen ebenfalls solche Pausen und Streicheleinheiten. In der Schule passt die Pausenglocke darauf auf, dass Kinder und Jugendliche das Lernen rechtzeitig unterbrechen. Als Erwachsene müssen wir selbst auf uns achten. Denn wie beim Pilgern sind auch im Alltag Pausen überaus wichtig. Wenn ich merke: es geht nicht mehr. Dann brauche ich Zeit zum Durchatmen. Zum Recken und Strecken des Körpers, wenn er gerade lange sitzen musste. Oder um ihm Ruhe zu gönnen, nach einer körperlich anstrengenden Arbeit. Manchmal braucht es auch eine Pause, damit die Seele nachkommen kann.
Beim Pilgern erlebe ich immer wieder: Ich bin mit einer Pilgergruppe den ersten Kilometer unterwegs, da fällt die Gruppe in zwei Teile. Ein Teil braucht auf einmal mehr Zeit. Vielleicht erleben diese Pilgerinnen und Pilger gerade in diesem Moment: So schnell kann ich jetzt nicht. Ich brauche ein anderes Tempo mit den Füßen, damit meine Seele nachkommen kann. Dann ist es gut, aufeinander zu warten.
Pausen sind wichtig. Der ganze Mensch braucht Pausen.
Die bedeutende Mystikerin und Kirchenlehrerin Teresa von Avila hat das vor vielen Jahren so gesagt: "Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen." Tun auch Sie sich selbst heute etwas Gutes. Gönnen Sie sich regelmäßig Pausen.
Dienstag, 21. Juni 2016
Pilgern vor der Haustür - Orientieren
In dieser Woche stammen die Radioandachten der Sendung "Himmel und Erde" von mir. Das gesamte Manuskript kann hier als PDF heruntergeladen werden. Tag für Tag werde ich auch hier im Blog die entsprechenden Texte veröffentlichen.
Orientieren
Wer einen neuen Weg entdecken will, braucht Orientierung, besonders beim Wandern oder Pilgern. Manche wissen, wie man Kompass und Karte dazu benutzt. Andere bestimmen durch den Stand der Sonne und den Bewuchs der Bäume, wie es weiter geht. Einfacher ist es, wenn da gut gepflegte Schilder entlang meines Weges mir die Richtung anzeigen.
Pilger und Pilgerinnen auf dem Jakobsweg orientieren sich an dem Symbol der Muschel. Früher hatten alle Pilger und Pilgerinnen eine solche Muschel als Trinkgefäß dabei. Auch heute noch ist die Pilgermuschel ein Erkennungszeichen: an den Rucksack gebunden, auf Bäume gesprüht oder als kleines Schild an Pfählen befestigt. Auch bei uns im Norden sind Pilgerwege mit diesem Symbol markiert. Als Pilgerin und Pilger weiß ich dann: Ich bin auf dem richtigen Weg, hier geht es weiter.
Im Alltag kann jeder Weg zum Pilgerweg werden. Auf vertrauten Wegen brauche ich keine besonderen Wegzeichen. Da weiß ich: an der nächsten Kreuzung muss ich rechts, und an dem dicken Baum da geht´s links ab. In unbekanntem Gebiet aber brauche ich Hilfe zur Orientierung. Wegweiser zum Beispiel, eine Landkarte oder ein Navigationsgerät. Ich kann auch Leute unterwegs fragen. Mit etwas Glück erwische ich einen Ortskundigen, der mir eine besonders schöne Wegstrecke empfiehlt. So orientiert kann ich auch einen neuen Weg sicher gehen.
Besonders schön ist es, wenn der Weg für eine Weile so klar ist, dass ich eine Zeitlang nicht auf ihn achten muss. Dann kann ich still werden. Auch innerlich. Vielleicht finde ich dann beim Gehen sogar Orientierung für meinen Lebensweg. Finde Antworten auf Fragen, die ich schon lange mit mir herumtrage.
Vom Pilgern kann ich für den Alltag lernen: Manche Strecken meines Lebensweges kenne ich vom regelmäßigen Gehen. Wenn ich Neues ausprobieren will, helfen mir Wegweiser, mich zu orientieren. Menschen zum Beispiel, die einen Weg bereits kennen, können durch ihre Erfahrung ein Wegweiser für mich sein.
Manchmal ist mir auch ein Bibeltext ein Wegweiser. Zum Beispiel der Satz aus Psalm 91: "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen". Das ist ein gutes und starkes Versprechen, für alle Wege meines Lebens. Das geht im Alltag oft unter. Doch beim Pilgern wird das uralte Wort wieder lebendig, weil ich spüre: ich bin nicht allein unterwegs.
Orientieren
Wer einen neuen Weg entdecken will, braucht Orientierung, besonders beim Wandern oder Pilgern. Manche wissen, wie man Kompass und Karte dazu benutzt. Andere bestimmen durch den Stand der Sonne und den Bewuchs der Bäume, wie es weiter geht. Einfacher ist es, wenn da gut gepflegte Schilder entlang meines Weges mir die Richtung anzeigen.
Pilger und Pilgerinnen auf dem Jakobsweg orientieren sich an dem Symbol der Muschel. Früher hatten alle Pilger und Pilgerinnen eine solche Muschel als Trinkgefäß dabei. Auch heute noch ist die Pilgermuschel ein Erkennungszeichen: an den Rucksack gebunden, auf Bäume gesprüht oder als kleines Schild an Pfählen befestigt. Auch bei uns im Norden sind Pilgerwege mit diesem Symbol markiert. Als Pilgerin und Pilger weiß ich dann: Ich bin auf dem richtigen Weg, hier geht es weiter.
Im Alltag kann jeder Weg zum Pilgerweg werden. Auf vertrauten Wegen brauche ich keine besonderen Wegzeichen. Da weiß ich: an der nächsten Kreuzung muss ich rechts, und an dem dicken Baum da geht´s links ab. In unbekanntem Gebiet aber brauche ich Hilfe zur Orientierung. Wegweiser zum Beispiel, eine Landkarte oder ein Navigationsgerät. Ich kann auch Leute unterwegs fragen. Mit etwas Glück erwische ich einen Ortskundigen, der mir eine besonders schöne Wegstrecke empfiehlt. So orientiert kann ich auch einen neuen Weg sicher gehen.
Besonders schön ist es, wenn der Weg für eine Weile so klar ist, dass ich eine Zeitlang nicht auf ihn achten muss. Dann kann ich still werden. Auch innerlich. Vielleicht finde ich dann beim Gehen sogar Orientierung für meinen Lebensweg. Finde Antworten auf Fragen, die ich schon lange mit mir herumtrage.
Vom Pilgern kann ich für den Alltag lernen: Manche Strecken meines Lebensweges kenne ich vom regelmäßigen Gehen. Wenn ich Neues ausprobieren will, helfen mir Wegweiser, mich zu orientieren. Menschen zum Beispiel, die einen Weg bereits kennen, können durch ihre Erfahrung ein Wegweiser für mich sein.
Manchmal ist mir auch ein Bibeltext ein Wegweiser. Zum Beispiel der Satz aus Psalm 91: "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen". Das ist ein gutes und starkes Versprechen, für alle Wege meines Lebens. Das geht im Alltag oft unter. Doch beim Pilgern wird das uralte Wort wieder lebendig, weil ich spüre: ich bin nicht allein unterwegs.
Montag, 20. Juni 2016
Pilgern vor der Haustür - Losgehen
In dieser Woche stammen die Radioandachten der Sendung "Himmel und Erde" von mir. Im Laufe der Woche wird hier das gesamte Manuskript online stehen. Tag für Tag werde ich auch hier im Blog die entsprechenden Texte veröffentlichen.
Losgehen
Pilgern ist sehr beliebt. Auch ich pilgere jedes Jahr mit verschiedenen Gruppen durch die Lüneburger Heide. Pilgern, das ist nicht etwas spezifisch Christliches, gepilgert wird in vielen verschiedenen Religionen.
Doch wie geht eigentlich „pilgern“? Pilgern ist etwas anderes als spazieren gehen oder wandern. Es kommt etwas dazu: Als Pilgernde begebe ich mich bewusst auf einen geistlichen, einen spirituellen Pfad. Ich gehe einen Weg bewusst als religiöser Mensch. Allerdings gibt es auch die Erfahrung: Jemand bricht als Wanderer auf und wird dann unterwegs zum Pilger.
Ein Pilgerweg kann sehr lang sein und Wochen oder gar Monate dauern. Wer zum Beispiel zu Fuß den Jakobsweg nach Santiago de Compostela gehen will, muss sich dafür mindestens ein bis zwei Monate Zeit nehmen.
Aber es geht auch kürzer. Manche Menschen pilgern ein Wochenende lang oder auch nur einen einzelnen Tag. In Hamburg werden sogar Pilgerwege durch den Stadtpark angeboten. Die dauern nur eineinhalb Stunden.
Eine gute Planung erleichtert das Pilgern. Auch wenn ich nur wenige Stunden pilgernd unterwegs sein will, mache ich mir vorher kurz Gedanken: Wieviel Zeit nehme ich mir? Wo soll der Weg entlang führen? Was nehme ich mit für unterwegs? Brauche ich etwas zu trinken und zu essen? Und wie kleide ich mich möglichst sinnvoll?
Dann geht es los, vielmehr ich gehe los. Ich schließe die Haustür hinter mir und mache die ersten Schritte heraus aus meinem Alltag. Zunächst schwirren mir immer noch rückblickende Gedanken durch den Kopf. Was noch so zu tun gewesen wäre, und was ich vielleicht vergessen habe. Ich muss erst ankommen auf meinem Pilgerweg. Aber: Dazu brauche ich nicht viel zu machen. Ich muss nur gehen. Schritt für Schritt. Meter um Meter. Minute um Minute. Gedanken klären sich beim Gehen. Ich komme an. Auf dem Weg. Bei mir.
Und wie ist das dann so mit dem Beten bei einem Pilgerweg? Dafür braucht es nicht viele Worte, vielleicht über weite Strecken sogar gar keine Worte. Ich bete mit den Füßen. Jeder Schritt, jeder Atemzug: ein Dasein vor Gott. Und ich glaube: Gott geht mit. An meiner Seite. Auch wenn ich das nicht unbedingt immer spüre.
"Von allen Seiten umgibst du mich" heißt es in Psalm 139. Mit diesem Vertrauen gehe ich meinen Pilgerweg.
Probieren Sie das doch auch mal aus! Gehen Sie heute für ein paar Minuten nach draußen. Dorthin, wo es schön ist und ein bisschen ruhig. Gehen Sie in Ihrem Tempo einen kleinen, persönlichen Pilgerweg. In aller Offenheit für das, was dabei passiert oder auch nicht.
Ich wünsche Ihnen einen guten Weg durch den Tag!
Losgehen
Pilgern ist sehr beliebt. Auch ich pilgere jedes Jahr mit verschiedenen Gruppen durch die Lüneburger Heide. Pilgern, das ist nicht etwas spezifisch Christliches, gepilgert wird in vielen verschiedenen Religionen.
Doch wie geht eigentlich „pilgern“? Pilgern ist etwas anderes als spazieren gehen oder wandern. Es kommt etwas dazu: Als Pilgernde begebe ich mich bewusst auf einen geistlichen, einen spirituellen Pfad. Ich gehe einen Weg bewusst als religiöser Mensch. Allerdings gibt es auch die Erfahrung: Jemand bricht als Wanderer auf und wird dann unterwegs zum Pilger.
Ein Pilgerweg kann sehr lang sein und Wochen oder gar Monate dauern. Wer zum Beispiel zu Fuß den Jakobsweg nach Santiago de Compostela gehen will, muss sich dafür mindestens ein bis zwei Monate Zeit nehmen.
Aber es geht auch kürzer. Manche Menschen pilgern ein Wochenende lang oder auch nur einen einzelnen Tag. In Hamburg werden sogar Pilgerwege durch den Stadtpark angeboten. Die dauern nur eineinhalb Stunden.
Eine gute Planung erleichtert das Pilgern. Auch wenn ich nur wenige Stunden pilgernd unterwegs sein will, mache ich mir vorher kurz Gedanken: Wieviel Zeit nehme ich mir? Wo soll der Weg entlang führen? Was nehme ich mit für unterwegs? Brauche ich etwas zu trinken und zu essen? Und wie kleide ich mich möglichst sinnvoll?
Dann geht es los, vielmehr ich gehe los. Ich schließe die Haustür hinter mir und mache die ersten Schritte heraus aus meinem Alltag. Zunächst schwirren mir immer noch rückblickende Gedanken durch den Kopf. Was noch so zu tun gewesen wäre, und was ich vielleicht vergessen habe. Ich muss erst ankommen auf meinem Pilgerweg. Aber: Dazu brauche ich nicht viel zu machen. Ich muss nur gehen. Schritt für Schritt. Meter um Meter. Minute um Minute. Gedanken klären sich beim Gehen. Ich komme an. Auf dem Weg. Bei mir.
Und wie ist das dann so mit dem Beten bei einem Pilgerweg? Dafür braucht es nicht viele Worte, vielleicht über weite Strecken sogar gar keine Worte. Ich bete mit den Füßen. Jeder Schritt, jeder Atemzug: ein Dasein vor Gott. Und ich glaube: Gott geht mit. An meiner Seite. Auch wenn ich das nicht unbedingt immer spüre.
"Von allen Seiten umgibst du mich" heißt es in Psalm 139. Mit diesem Vertrauen gehe ich meinen Pilgerweg.
Probieren Sie das doch auch mal aus! Gehen Sie heute für ein paar Minuten nach draußen. Dorthin, wo es schön ist und ein bisschen ruhig. Gehen Sie in Ihrem Tempo einen kleinen, persönlichen Pilgerweg. In aller Offenheit für das, was dabei passiert oder auch nicht.
Ich wünsche Ihnen einen guten Weg durch den Tag!
Dienstag, 24. Mai 2016
Familiengottesdienst zum Dreifaltigkeitsfest am 21.05.2016 (Jahreskreis C)
Versuch einer konkreten und situationsbezogenen Auslegung
Zum Hintergrund:
Alle zwei Monate feiern wir in St. Godehard in Amelinghausen einen Familiengottesdienst. Er wird von einem kleinen Team engagierter Frauen vorbereitet. Jedes Jahr trifft dieser Gottesdienst auf ein Vater-Kind-Wochenende, dass mit Fahrrädern aus Lüneburg anreist, bei uns im Pfarrgarten zeltet und das Gemeindehaus benutzt. Die Katechese wurde gezielt für diese Situation erstellt.
A, B und C sind Sprecherinnen aus dem Vorbereitungsteam, die anderen 4 Sprechrollen sind selbsterklärend. Beim Sprechen wurde teilweise improvisiert.
Katechese zum Dreifaltigkeitsfest, Samstag, 21.05.2016
A: Ok. Dreifaltigkeit. Was ist das? Mal so für Dummies.
B: Ich glaube, das Thema ist schwierig und nix für Dummies!
A: Aber worum geht es denn bei der Dreifaltigkeit?
C: Das hat etwas mit Gott zu tun, der der Schöpfer von allem ist und von Jesus „Vater“ genannt wird. Jesus ist auch Gott. Und der Heilige Geist, den wir Pfingsten gefeiert haben, ist auch Gott. Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gleichzeitig.
B: Beim Kreuzzeichen denken wir da ja auch immer dran und sagen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
C: Amen. Genau.
B: Das Komplizierte daran ist, dass wir daran glauben, dass es nur einen Gott gibt. Aber gleichzeitig gibt es Vater, Sohn und Heiligen Geist. Also gibt es irgendwie drei Personen, die trotzdem doch nur eine sind.
A: Hm. Versteh ich nicht.
B: Ich sach ja: ist kompliziert.
C: Einzeln sind die drei gar nicht so kompliziert: Gott, der Vater ist der, der immer da ist, der immer da war und immer da sein wird. Er hat alles gemacht und passt auf uns auf.
A: Er kann auch gut zuhören. Denke ich zumindest, wenn ich bete.
B: Man kann sich voll auf ihn verlassen und ihm vertrauen, weil er eben immer da ist.
C: Und dann Jesus. Was fällt euch zu Jesus ein? Wer war Jesus und was hat er gemacht?
(Kinder fragen. Sonst antworten A + B abwechselnd)
A: Den haben wir Pfingsten gefeiert. Der ist wie Sturm und Wind und wie Feuer.
B: Der Hl. Geist ist irgendwie da, aber nicht greifbar. Der weht, wo er will.
A: Der ist überall und kennt keine Grenzen.
C: Der Hl. Geist kann unseren Blick weiten: An Pfingsten haben sich alle verstanden, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprachen.
A: Der Heilige Geist macht uns stark und mutig.
B: Irgendwie verbindet der Hl. Geist die Menschen untereinander und mit Gott. So wie an Pfingsten.
A: Ich mag den Hl. Geist! Der ist so überraschend!
(Sabine kommt von hinten in die Kirche.)
Sabine: Huhu! Was macht ihr denn hier? Party? Nee, für ne Party ist es hier zu ruhig. Also was macht ihr hier?
Gemeindemitglied: Wir feiern Gottesdienst, die Heilige Messe.
Sabine: Ach so. Also mit singen und beten und viel still sein und so. Richtig?
Gemeindemitglied: Ja, in etwa. Jeden Samstag treffen wir uns, um hier gemeinsam zu singen, zu beten, etwas aus der Bibel zu lesen und gemeinsam Eucharistie zu feiern, das Abendmahl.
Sabine: Ah! Ich verstehe. Und Sie sind jeden Samstag hier?
Gemeindemitglied: So weit ich das einrichten kann, komme ich jeden Samstag hier her.
Sabine: Das ist ja toll. Da kann man sich richtig auf Sie verlassen, wenn Sie immer da sind. Dann wissen Sie bestimmt auch sehr viel über diese Kirche?
Gemeindemitglied: Ja, von dieser Gemeinde hier weiß ich eine ganze Menge. Ich bin hier ja auch schon sehr lange.
Sabine: Und wie ist das, wenn ich ein Problem hätte: würden Sie mir dann helfen?
Gemeindemitglied: Ob ich sofort helfen könnte, weiß ich nicht. Aber ich wäre gerne für Sie da und würde erst mal gut zuhören.
Sabine: Danke! Das ist gut zu wissen, dass da jemand da ist!
(geht weiter zu jemanden vom Vater-Kind-Wochenende, nach Möglichkeit zu einem Kind oder Vater mit Kind. Fragen können frei beantwortet werden.) Und du bist auch jeden Samstag hier? Ist das denn nicht langweilig?
Kind: Nee, ich bin heute hier zu Besuch. Wir machen gerade ein Vater-Kind-Wochenende.
Sabine: Das klingt ja interessant! Und was macht ihr da so?
Kind: (ggf. frei erzählen oder:) Wir sind mit Fahrrädern von Lüneburg nach Amelinghausen gefahren. Und heute Nacht schlafen wir in Zelten.
Sabine: Wow! Die Fahrradfahrt war bestimmt anstrengend! Hattest du gar keine Angst, dass du das nicht schaffst?
Kind: Nein. Mein Vater ist ja auch dabei. Der passt schon auf, dass mir nichts passiert. Und wenn doch was passieren sollte, kann der ziemlich gut helfen und trösten.
Sabine: Du musst einen ziemlich tollen Vater haben, dass du dich so auf ihn verlässt! Wie lange bleibt ihr denn hier?
Kind: Noch bis morgen. Dann fahren wir zurück nach Hause.
Sabine: Dann wünsche ich euch eine gute Heimfahrt. Und hoffentlich kommt ihr bald mal wieder! (Geht zu Fabienne.) Und du? Bist du auch hier mit dem Vater-Kind-Wochenende?
Fabienne: Nein, ich bin aus Amelinghausen. Ich gehöre hier zu St. Godehard.
Sabine: Ach, dann gehst du auch jeden Samstag in den Gottesdienst?
Fabienne: Nein, eigentlich nicht. Eher dann, wenn hier etwas besonderes ist. Ich bin gerne bei den Familiengottesdiensten dabei. Die bereite ich auch manchmal mit vor.
Sabine: Das ist ja toll! Und wie bereitet man so einen Familiengottesdienst vor?
Fabienne: Man überlegt sich neue Ideen zu den Bibeltexten. Damit man die besser verstehen kann. Und man sucht Lieder aus, die Spaß machen, wenn man die singt.
Sabine: Das klingt ja ganz so, als würdest du hier frischen Wind reinbringen, wenn du da bist. Das gefällt mir! (Geht zum Vorbereitungsteam.) Und warum steht ihr hier vorne?
A: Wir haben gerade über „Dreifaltigkeit“ nachgedacht. Aber das ist ganz schön kompliziert.
B: Da geht es so um Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dass die irgendwie verschieden sind, aber trotzdem nur ein Gott.
Sabine: Hm. Klingt wirklich schwierig. Aber auch interessant. Und vor allem habt ihr hier voll die interessanten Leute im Gottesdienst!
C: Interessante Leute? Was meinst du?
Sabine: Da gibt es welche, die immer da sind. Auf die man sich verlassen kann. Die den Überblick haben, was hier so läuft und bei Problemen helfen würden.
C: Stimmt. Die sind total wichtig!
Sabine: Und dann gibt es die, die hier eine kleine Zeit verbringen, wie die Leute vom Vater-Kind-Wochenende. Die haben voll spannende Sachen zu erzählen. Und von denen kann man lernen, aufeinander zu vertrauen.
A: So hab ich das noch gar nicht gesehen. Die kommen einfach nur jedes Jahr, sind hier und dann wieder weg. Aber es ist immer wieder toll, dass die zu uns kommen!
Sabine: Und dann gibt es noch solche tollen Leute wie die Fabienne. Man weiß nicht genau, wann sie kommen. Sie kommen und gehen, wie sie wollen. Aber wenn sie da sind, bringen sie frischen Wind mit. Und man freut sich über sie und die ganze Lebendigkeit, die sie mitbringen.
B: Und alle zusammen feiern wir hier zusammen Gottesdienst. Als eine große Gemeinschaft.
A: Weißt du was?
B: Nee.
A: Das mit der Dreifaltigkeit ist vielleicht doch nicht so kompliziert?
C: Hä??? Wie kommst du denn jetzt daaa drauf?
A: Na, wenn wir hier zusammen Messe feiern, sind wir eine große Gemeinschaft. Eine Gemeinde. Wir sind eins. Aber wir sind trotzdem verschieden.
B: Du meinst, wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist?
A: Ja! Hier gibt es die Verlässlichen, die immer da sind. So wie Gott immer da ist!
B: Ich verstehe! Und es gibt die, die uns zeigen, wie man vertrauen kann und die tolle Geschichten zu erzählen haben.
C: Fast so wie Jesus …
A: Und dann noch die, die immer mal wieder hinein schneien und frischen Wind mitbringen. Über die man sich freut, weil sie so lebendig sind.
B: Fast so wie der Heilige Geist …
C: Das würde ja heißen, hier in diesem Gottesdienst können wir etwas davon erfahren, was das ist, diese Dreifaltigkeit. Wir sind verschieden, aber doch eine große Gemeinschaft und Einheit.
A: Wir sind viele und gleichzeitig eins.
B: Das finde ich toll. Wir sind hier ein bisschen so wie die Dreifaltigkeit.
C: Und Gott ist ein bisschen so wie wir. Eine Gemeinschaft von drei verschiedenen. Das muss man erst mal verdauen!
B: Ich finde es ein schönes Bild, unsere Gemeinschaft hier mit einem so schwierigen Thema zusammen zu bringen. Vielleicht ist es mit der Dreifaltigkeit nicht zu 100% genau.so. Aber wir brauchen solche Vergleiche. Und ein bisschen Geheimnis rund um Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist darf auch bleiben. Amen.
Zum Hintergrund:
Alle zwei Monate feiern wir in St. Godehard in Amelinghausen einen Familiengottesdienst. Er wird von einem kleinen Team engagierter Frauen vorbereitet. Jedes Jahr trifft dieser Gottesdienst auf ein Vater-Kind-Wochenende, dass mit Fahrrädern aus Lüneburg anreist, bei uns im Pfarrgarten zeltet und das Gemeindehaus benutzt. Die Katechese wurde gezielt für diese Situation erstellt.
A, B und C sind Sprecherinnen aus dem Vorbereitungsteam, die anderen 4 Sprechrollen sind selbsterklärend. Beim Sprechen wurde teilweise improvisiert.
Katechese zum Dreifaltigkeitsfest, Samstag, 21.05.2016
A: Ok. Dreifaltigkeit. Was ist das? Mal so für Dummies.
B: Ich glaube, das Thema ist schwierig und nix für Dummies!
A: Aber worum geht es denn bei der Dreifaltigkeit?
C: Das hat etwas mit Gott zu tun, der der Schöpfer von allem ist und von Jesus „Vater“ genannt wird. Jesus ist auch Gott. Und der Heilige Geist, den wir Pfingsten gefeiert haben, ist auch Gott. Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gleichzeitig.
B: Beim Kreuzzeichen denken wir da ja auch immer dran und sagen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
C: Amen. Genau.
B: Das Komplizierte daran ist, dass wir daran glauben, dass es nur einen Gott gibt. Aber gleichzeitig gibt es Vater, Sohn und Heiligen Geist. Also gibt es irgendwie drei Personen, die trotzdem doch nur eine sind.
A: Hm. Versteh ich nicht.
B: Ich sach ja: ist kompliziert.
C: Einzeln sind die drei gar nicht so kompliziert: Gott, der Vater ist der, der immer da ist, der immer da war und immer da sein wird. Er hat alles gemacht und passt auf uns auf.
A: Er kann auch gut zuhören. Denke ich zumindest, wenn ich bete.
B: Man kann sich voll auf ihn verlassen und ihm vertrauen, weil er eben immer da ist.
C: Und dann Jesus. Was fällt euch zu Jesus ein? Wer war Jesus und was hat er gemacht?
(Kinder fragen. Sonst antworten A + B abwechselnd)
- Jesus ist Mensch geworden und hat als Mensch gelebt.
- Jesus hat Kranke geheilt.
- Jesus hat auf Gott vertraut.
- Jesus war ein guter Geschichtenerzähler.
- Jesus hat den Leuten davon erzählt, wie Gott ist und dass wir uns auf ihn verlassen können.
- Jesus war irgendwann wieder weg. An Himmelfahrt haben wir gefeiert, dass er zurück zu seinem Vater gegangen ist.
A: Den haben wir Pfingsten gefeiert. Der ist wie Sturm und Wind und wie Feuer.
B: Der Hl. Geist ist irgendwie da, aber nicht greifbar. Der weht, wo er will.
A: Der ist überall und kennt keine Grenzen.
C: Der Hl. Geist kann unseren Blick weiten: An Pfingsten haben sich alle verstanden, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprachen.
A: Der Heilige Geist macht uns stark und mutig.
B: Irgendwie verbindet der Hl. Geist die Menschen untereinander und mit Gott. So wie an Pfingsten.
A: Ich mag den Hl. Geist! Der ist so überraschend!
(Sabine kommt von hinten in die Kirche.)
Sabine: Huhu! Was macht ihr denn hier? Party? Nee, für ne Party ist es hier zu ruhig. Also was macht ihr hier?
Gemeindemitglied: Wir feiern Gottesdienst, die Heilige Messe.
Sabine: Ach so. Also mit singen und beten und viel still sein und so. Richtig?
Gemeindemitglied: Ja, in etwa. Jeden Samstag treffen wir uns, um hier gemeinsam zu singen, zu beten, etwas aus der Bibel zu lesen und gemeinsam Eucharistie zu feiern, das Abendmahl.
Sabine: Ah! Ich verstehe. Und Sie sind jeden Samstag hier?
Gemeindemitglied: So weit ich das einrichten kann, komme ich jeden Samstag hier her.
Sabine: Das ist ja toll. Da kann man sich richtig auf Sie verlassen, wenn Sie immer da sind. Dann wissen Sie bestimmt auch sehr viel über diese Kirche?
Gemeindemitglied: Ja, von dieser Gemeinde hier weiß ich eine ganze Menge. Ich bin hier ja auch schon sehr lange.
Sabine: Und wie ist das, wenn ich ein Problem hätte: würden Sie mir dann helfen?
Gemeindemitglied: Ob ich sofort helfen könnte, weiß ich nicht. Aber ich wäre gerne für Sie da und würde erst mal gut zuhören.
Sabine: Danke! Das ist gut zu wissen, dass da jemand da ist!
(geht weiter zu jemanden vom Vater-Kind-Wochenende, nach Möglichkeit zu einem Kind oder Vater mit Kind. Fragen können frei beantwortet werden.) Und du bist auch jeden Samstag hier? Ist das denn nicht langweilig?
Kind: Nee, ich bin heute hier zu Besuch. Wir machen gerade ein Vater-Kind-Wochenende.
Sabine: Das klingt ja interessant! Und was macht ihr da so?
Kind: (ggf. frei erzählen oder:) Wir sind mit Fahrrädern von Lüneburg nach Amelinghausen gefahren. Und heute Nacht schlafen wir in Zelten.
Sabine: Wow! Die Fahrradfahrt war bestimmt anstrengend! Hattest du gar keine Angst, dass du das nicht schaffst?
Kind: Nein. Mein Vater ist ja auch dabei. Der passt schon auf, dass mir nichts passiert. Und wenn doch was passieren sollte, kann der ziemlich gut helfen und trösten.
Sabine: Du musst einen ziemlich tollen Vater haben, dass du dich so auf ihn verlässt! Wie lange bleibt ihr denn hier?
Kind: Noch bis morgen. Dann fahren wir zurück nach Hause.
Sabine: Dann wünsche ich euch eine gute Heimfahrt. Und hoffentlich kommt ihr bald mal wieder! (Geht zu Fabienne.) Und du? Bist du auch hier mit dem Vater-Kind-Wochenende?
Fabienne: Nein, ich bin aus Amelinghausen. Ich gehöre hier zu St. Godehard.
Sabine: Ach, dann gehst du auch jeden Samstag in den Gottesdienst?
Fabienne: Nein, eigentlich nicht. Eher dann, wenn hier etwas besonderes ist. Ich bin gerne bei den Familiengottesdiensten dabei. Die bereite ich auch manchmal mit vor.
Sabine: Das ist ja toll! Und wie bereitet man so einen Familiengottesdienst vor?
Fabienne: Man überlegt sich neue Ideen zu den Bibeltexten. Damit man die besser verstehen kann. Und man sucht Lieder aus, die Spaß machen, wenn man die singt.
Sabine: Das klingt ja ganz so, als würdest du hier frischen Wind reinbringen, wenn du da bist. Das gefällt mir! (Geht zum Vorbereitungsteam.) Und warum steht ihr hier vorne?
A: Wir haben gerade über „Dreifaltigkeit“ nachgedacht. Aber das ist ganz schön kompliziert.
B: Da geht es so um Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dass die irgendwie verschieden sind, aber trotzdem nur ein Gott.
Sabine: Hm. Klingt wirklich schwierig. Aber auch interessant. Und vor allem habt ihr hier voll die interessanten Leute im Gottesdienst!
C: Interessante Leute? Was meinst du?
Sabine: Da gibt es welche, die immer da sind. Auf die man sich verlassen kann. Die den Überblick haben, was hier so läuft und bei Problemen helfen würden.
C: Stimmt. Die sind total wichtig!
Sabine: Und dann gibt es die, die hier eine kleine Zeit verbringen, wie die Leute vom Vater-Kind-Wochenende. Die haben voll spannende Sachen zu erzählen. Und von denen kann man lernen, aufeinander zu vertrauen.
A: So hab ich das noch gar nicht gesehen. Die kommen einfach nur jedes Jahr, sind hier und dann wieder weg. Aber es ist immer wieder toll, dass die zu uns kommen!
Sabine: Und dann gibt es noch solche tollen Leute wie die Fabienne. Man weiß nicht genau, wann sie kommen. Sie kommen und gehen, wie sie wollen. Aber wenn sie da sind, bringen sie frischen Wind mit. Und man freut sich über sie und die ganze Lebendigkeit, die sie mitbringen.
B: Und alle zusammen feiern wir hier zusammen Gottesdienst. Als eine große Gemeinschaft.
A: Weißt du was?
B: Nee.
A: Das mit der Dreifaltigkeit ist vielleicht doch nicht so kompliziert?
C: Hä??? Wie kommst du denn jetzt daaa drauf?
A: Na, wenn wir hier zusammen Messe feiern, sind wir eine große Gemeinschaft. Eine Gemeinde. Wir sind eins. Aber wir sind trotzdem verschieden.
B: Du meinst, wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist?
A: Ja! Hier gibt es die Verlässlichen, die immer da sind. So wie Gott immer da ist!
B: Ich verstehe! Und es gibt die, die uns zeigen, wie man vertrauen kann und die tolle Geschichten zu erzählen haben.
C: Fast so wie Jesus …
A: Und dann noch die, die immer mal wieder hinein schneien und frischen Wind mitbringen. Über die man sich freut, weil sie so lebendig sind.
B: Fast so wie der Heilige Geist …
C: Das würde ja heißen, hier in diesem Gottesdienst können wir etwas davon erfahren, was das ist, diese Dreifaltigkeit. Wir sind verschieden, aber doch eine große Gemeinschaft und Einheit.
A: Wir sind viele und gleichzeitig eins.
B: Das finde ich toll. Wir sind hier ein bisschen so wie die Dreifaltigkeit.
C: Und Gott ist ein bisschen so wie wir. Eine Gemeinschaft von drei verschiedenen. Das muss man erst mal verdauen!
B: Ich finde es ein schönes Bild, unsere Gemeinschaft hier mit einem so schwierigen Thema zusammen zu bringen. Vielleicht ist es mit der Dreifaltigkeit nicht zu 100% genau.so. Aber wir brauchen solche Vergleiche. Und ein bisschen Geheimnis rund um Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist darf auch bleiben. Amen.
Dienstag, 6. Oktober 2015
"Jetzt guck' doch mal entspannt!" Lese-Tipp
Freitag, 4. September 2015
Familiengottesdienst zum 23. Sonntag im Jahreskreis B, Amelinghausen, St. Godehard
Zur Einführung:
Augen sehen, Lahme gehen, Stumme grüßen.
Davon haben wir eben gesungen.
Um einen, der nicht reden kann, geht es heute auch im Evangelium.
Der kann nicht sprechen, weil er nicht hören kann.
Hören ist sehr wichtig.
Warum, das möchten wir kurz mit euch und Ihnen ausprobieren.
(a) Hinter einem Tuch werden Geräusche gemacht und müssen erraten werden.
(b) Hören ist wichtig. Gut, wenn wir gute Ohren haben!
Aber wie ist das, nichts zu hören?
Auch das wollen wir ausprobieren.
Gleich werdet ihr eure Ohren zu halten
und wenn ich dieses Zeichen mache ...
könnt ihr die Hände wieder von den Ohren nehmen.
Haltet euch mal die Ohren zu.
Jeweils auf ein Kind zugehen:
Ohren öffnen.
Habt ihr mit verschlossen Ohren verstanden, was ... von euch wollte?
Gut hören können ist wichtig. Aber manchmal können und wollen wir nicht hören. Gott kann uns helfen, wenn unsere Ohren verschlossen sind. Davon hören wir heute in diesem Gottesdienst.
Einführung in die Lesung:
Wie war das wohl damals bei Jesus und seinen Freunden?
Viel Zeit haben sie miteinander verbracht.
Sie sind gewandert.
Haben viel geredet, gebetet und miteinander gegessen.
Vielleicht haben sie auch Geräuschraten gespielt,
so wie wir hier eben.
Sicher haben sie abends zusammen um ein Feuer gesessen
über den Tag nachgedacht
und sich Geschichten erzählt.
Vielleicht haben sie über wichtige Texte geredet,
die sie im Gottesdienst, in der Synagoge gehört haben.
Stellt euch mal vor, wir sitzen jetzt auch um so ein Feuer,
zusammen mit Jesus, seinen Freundinnen und Freunden,
und jemand erzählt oder liest etwas aus einem ganz alten Buch vor.
Von einem Propheten, der Mut machen will.
Der sagt: einmal wird alles gut werden.
Gott wird alles gut machen.
Und dann beschreibt er,
was alles gut werden wird.
Wer von den Kindern mag, kann sich um das Feuer setzen
und dort bis zur Gabenbereitung bleiben.
Lesung: Jesaja 35,4-7a
Sagt den Verzagten:
Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott!
Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung;
er selbst wird kommen und euch erretten.
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.
In der Wüste brechen Quellen hervor,
und Bäche fließen in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Quellen.
Zwischengesang: Gib uns Ohren zum Hören
Einführung zum Evangelium:
Stellt euch vor:
Nachdem wir mit Jesus und seinen Jüngerinnen und Jüngern
am letzten Abend den Mut-Text von Jesaja gehört haben,
sind wir heute gemeinsam unterwegs.
Wir wandern. Wir erzählen.
Wir kommen an einen See, den See von Galiläa.
Und dann passiert das:
Evangelium: Mk 7,31-37
(in kindgerechter Fassung. Nach: Eleonore Reuter (Hrsg.), Kinder- und Familiengottesdienste. Lesejahr B. S. 220f. Überarbeitet.)
Jesus zieht durch das Land, geht zu den Menschen in ihre Dörfer und Städte.
Die Menschen öffnen ihre Türen und Häuser und kommen heraus.
Sie wollen Jesus sehen, sie wollen ihn hören,
sie wollen ihn anfassen, denn sie spüren,
von Jesus geht eine große Kraft aus, die Heilt und gesund macht.
Als Jesus wieder einmal durch das Land zieht,
bringen die Menschen einen Mann zu Jesus, der konnte nicht hören. (...)
Er hört die Menschen nicht sprechen, die Vögel nicht singen.
Er hört nicht „Bitte“ und nicht „Danke“,
weder seinen Namen, noch „Ich hab dich gern“.
Der Mann ist gehörlos. Früher sagte man dazu:er ist taub.
Bei ihm ist es still wie im Grab, totenstill.
Und – er kann nicht sprechen.
Die Leute sagen: Seine Zunge ist gefesselt.
Sein Mund ist verschlossen, er ist stumm. (...)
Er kann seinen Namen nicht sagen, nicht Danke und nicht Bitte.
Früher nannte man solche Menschen taub-stumm.
Diesen Mann bringen die Leute zu Jesus und bitten:
„Berühre ihn! Mach ihn gesund!“
Jesus nimmt ihn beiseite, von der Menge weg,
legt ihm die Finger in die Ohren
und berührt dann die Zunge des Mannes mit Speichel.
Danach blickt er zum Himmel auf, seufzt
und sagt zu ihm: „Effata!“ - das heißt: „Öffne dich!“
Sogleich öffnen sich seine Ohren, (...)
seine Zunge wird von der Fessel befreit, er kann richtig reden.
Was sagt er? ... Was hört er? ...
Jesus verbietet ihnen, jemand davon zu erzählen.
Doch je mehr er es ihnen verbietet, desto mehr reden sie darüber.
Die Leute staunen, sie loben Gott und sagen:
Gott macht alles gut.
Er macht, dass die Tauben hören und die Stummen reden.
Katechese:
Am Abend, nachdem der Gehörlose geheilt wurde, sitzen wir alle wieder mit Jesus um das Feuer. Drei Jünger unterhalten sich.
A: Man bin ich müde!
B: Wir sind ganz schön weit gewandert!
C: Aber schön ist es hier am See von Galiläa!
A: Ich muss immer noch an den Mann denken.
B: An den Gehörlosen, der nichts hören konnte
und der auch nicht verständlich sprechen konnte?
A: Ja! Wie glücklich der war, als er plötzlich hören konnte.
Und wie er das allen erzählen musste, immer wieder und wieder.
C: Der kann stolz sein, dass er so tolle Freunde hat.
Und dass die ihn zu Jesus gebracht haben.
B: Ich fand toll, dass Jesus nicht nur Effata! gesagt hat,
sondern dem Gehörlosen auch mit Zeichen gezeigt hat, was er da macht.
C: Als Jesus die Ohren des Gehörlosen berührt hat,
wusste der schon mal, „Jetzt geht es um mich und darum,
dass ich so oft ausgeschlossen bin,
weil ich nicht mitbekomme, was um mich herum geschieht.“
A: Und dann hat Jesus die Zunge berührt.
Und als er zum Himmel hoch sah, konnten wir alle sehen:
für Jesus hat das, was jetzt geschieht, mit seinem Vater, mit Gott zu tun.
B: Jesus ist schon ein ganz besonderer Mensch.
Der macht, dass sich die Ohren von Gehörlosen öffnen.
C: Jetzt bekomme ich eine Gänsehaut.
A: Hä??? Warum???
C: Erinnert ihr euch an gestern Abend?
B: Ja, wieso? Da saßen wir auch so wie heute ums Feuer.
C: Da haben wir doch über diesen Text vom Propheten Jesaja geredet.
A: Jetzt wo du es sagst, erinnere ich mich.
„Gott selbst wird kommen und euch erretten.“
Hieß es da.
„Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.“
B: Mensch, jetzt krieg ich auch eine Gänsehaut.
Genau so etwas haben wir ja heute erlebt!
Ein Gehörloser, oder wie man früher gesagt hat: ein Tauber,
kann wieder hören.
A: und er kann sprechen. Richtig verständliche Worte.
C: So etwas macht Gott, wenn er kommt, sagt Jesaja.
B: Gott ist also gekommen. Er ist da.
A: Wenn wir mit Jesus zusammen sind, ist Gott da.
C: Dann können Gehörlose plötzlich hören,
und Menschen mit einer Sprechbehinderung
können klar und deutlich sprechen.
B: Und Gott heilt auch unsere Ohren.
C: Wie meinst du das denn jetzt???
B: Diesen Text vom Propheten Jesaja haben wir doch schon tausendmal gehört.
Also mit den Ohren.
Aber was das wirklich heißt, haben wir erst jetzt verstanden.
Jesus hat auch unsere Ohren geöffnet!
A: So habe ich das noch nie gesehen!
B: Und Jesus öffnet uns auch die Augen. Damit wir sehen, wo jemand Hilfe braucht.
So wie die Freunde von dem Gehörlosen.
C: Die Freunde haben nicht nur mit den Ohren von Jesus gehört
und in ihrem Herzen verstanden, was Gott will,
die haben sogar gehandelt und ihren Freund zu Jesus gebracht.
A: Wenn wir das jetzt ein wenig besser verstehen,
sind also auch wir heute ein bisschen von Jesus geheilt worden:
B: Wir haben mit unseren äußeren Augen gesehen
und mit unseren äußeren Ohren gehört,
wie der Kranke gesund geworden ist.
C: Und tief in unserem Inneren, in unserem Herzen
haben wir etwas Neues gelernt:
Jesus kann unsere Ohren öffnen für Menschen, die uns brauchen.
Jesus kann unsere Ohren auch öffnen für die leise Stimme von Gott,
die in unserem Herzen spricht.
A: Überall da, wo jemand plötzlich offene Ohren und Augen bekommt,
wo jemand neu und besser versteht, was Gott will,
und wo jemand deshalb froh wird,
Kraft bekommt, in Bewegung gerät und so handelt wie Jesus,
da beginnt das Reich Gottes.
B: So wie es schon Jesaja gesagt hat:
Wo Taube hören und Stumme reden,
da ist Gott uns ganz nah.
Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon unserer Welt.
Amen.
Augen sehen, Lahme gehen, Stumme grüßen.
Davon haben wir eben gesungen.
Um einen, der nicht reden kann, geht es heute auch im Evangelium.
Der kann nicht sprechen, weil er nicht hören kann.
Hören ist sehr wichtig.
Warum, das möchten wir kurz mit euch und Ihnen ausprobieren.
(a) Hinter einem Tuch werden Geräusche gemacht und müssen erraten werden.
- Schellen
- Wasser
- Tür abschließen (Sakristei)
- Flöte?
- Weihrauchfaß
- Oceandrum
(b) Hören ist wichtig. Gut, wenn wir gute Ohren haben!
Aber wie ist das, nichts zu hören?
Auch das wollen wir ausprobieren.
Gleich werdet ihr eure Ohren zu halten
und wenn ich dieses Zeichen mache ...
könnt ihr die Hände wieder von den Ohren nehmen.
Haltet euch mal die Ohren zu.
Jeweils auf ein Kind zugehen:
- Hallo, ich bin ... Möchtest du mein Freund/meine Freundin sein?
- Ich brauche ganz dringend eine Toilette. Kannst du sie mir zeigen?
- Mir geht es schlecht! Bitte hilf mir!
Ohren öffnen.
Habt ihr mit verschlossen Ohren verstanden, was ... von euch wollte?
Gut hören können ist wichtig. Aber manchmal können und wollen wir nicht hören. Gott kann uns helfen, wenn unsere Ohren verschlossen sind. Davon hören wir heute in diesem Gottesdienst.
Einführung in die Lesung:
Wie war das wohl damals bei Jesus und seinen Freunden?
Viel Zeit haben sie miteinander verbracht.
Sie sind gewandert.
Haben viel geredet, gebetet und miteinander gegessen.
Vielleicht haben sie auch Geräuschraten gespielt,
so wie wir hier eben.
Sicher haben sie abends zusammen um ein Feuer gesessen
über den Tag nachgedacht
und sich Geschichten erzählt.
Vielleicht haben sie über wichtige Texte geredet,
die sie im Gottesdienst, in der Synagoge gehört haben.
Stellt euch mal vor, wir sitzen jetzt auch um so ein Feuer,
zusammen mit Jesus, seinen Freundinnen und Freunden,
und jemand erzählt oder liest etwas aus einem ganz alten Buch vor.
Von einem Propheten, der Mut machen will.
Der sagt: einmal wird alles gut werden.
Gott wird alles gut machen.
Und dann beschreibt er,
was alles gut werden wird.
Wer von den Kindern mag, kann sich um das Feuer setzen
und dort bis zur Gabenbereitung bleiben.
Lesung: Jesaja 35,4-7a
Sagt den Verzagten:
Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott!
Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung;
er selbst wird kommen und euch erretten.
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.
In der Wüste brechen Quellen hervor,
und Bäche fließen in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Quellen.
Zwischengesang: Gib uns Ohren zum Hören
Einführung zum Evangelium:
Stellt euch vor:
Nachdem wir mit Jesus und seinen Jüngerinnen und Jüngern
am letzten Abend den Mut-Text von Jesaja gehört haben,
sind wir heute gemeinsam unterwegs.
Wir wandern. Wir erzählen.
Wir kommen an einen See, den See von Galiläa.
Und dann passiert das:
Evangelium: Mk 7,31-37
(in kindgerechter Fassung. Nach: Eleonore Reuter (Hrsg.), Kinder- und Familiengottesdienste. Lesejahr B. S. 220f. Überarbeitet.)
Jesus zieht durch das Land, geht zu den Menschen in ihre Dörfer und Städte.
Die Menschen öffnen ihre Türen und Häuser und kommen heraus.
Sie wollen Jesus sehen, sie wollen ihn hören,
sie wollen ihn anfassen, denn sie spüren,
von Jesus geht eine große Kraft aus, die Heilt und gesund macht.
Als Jesus wieder einmal durch das Land zieht,
bringen die Menschen einen Mann zu Jesus, der konnte nicht hören. (...)
Er hört die Menschen nicht sprechen, die Vögel nicht singen.
Er hört nicht „Bitte“ und nicht „Danke“,
weder seinen Namen, noch „Ich hab dich gern“.
Der Mann ist gehörlos. Früher sagte man dazu:er ist taub.
Bei ihm ist es still wie im Grab, totenstill.
Und – er kann nicht sprechen.
Die Leute sagen: Seine Zunge ist gefesselt.
Sein Mund ist verschlossen, er ist stumm. (...)
Er kann seinen Namen nicht sagen, nicht Danke und nicht Bitte.
Früher nannte man solche Menschen taub-stumm.
Diesen Mann bringen die Leute zu Jesus und bitten:
„Berühre ihn! Mach ihn gesund!“
Jesus nimmt ihn beiseite, von der Menge weg,
legt ihm die Finger in die Ohren
und berührt dann die Zunge des Mannes mit Speichel.
Danach blickt er zum Himmel auf, seufzt
und sagt zu ihm: „Effata!“ - das heißt: „Öffne dich!“
Sogleich öffnen sich seine Ohren, (...)
seine Zunge wird von der Fessel befreit, er kann richtig reden.
Was sagt er? ... Was hört er? ...
Jesus verbietet ihnen, jemand davon zu erzählen.
Doch je mehr er es ihnen verbietet, desto mehr reden sie darüber.
Die Leute staunen, sie loben Gott und sagen:
Gott macht alles gut.
Er macht, dass die Tauben hören und die Stummen reden.
Katechese:
Am Abend, nachdem der Gehörlose geheilt wurde, sitzen wir alle wieder mit Jesus um das Feuer. Drei Jünger unterhalten sich.
A: Man bin ich müde!
B: Wir sind ganz schön weit gewandert!
C: Aber schön ist es hier am See von Galiläa!
A: Ich muss immer noch an den Mann denken.
B: An den Gehörlosen, der nichts hören konnte
und der auch nicht verständlich sprechen konnte?
A: Ja! Wie glücklich der war, als er plötzlich hören konnte.
Und wie er das allen erzählen musste, immer wieder und wieder.
C: Der kann stolz sein, dass er so tolle Freunde hat.
Und dass die ihn zu Jesus gebracht haben.
B: Ich fand toll, dass Jesus nicht nur Effata! gesagt hat,
sondern dem Gehörlosen auch mit Zeichen gezeigt hat, was er da macht.
C: Als Jesus die Ohren des Gehörlosen berührt hat,
wusste der schon mal, „Jetzt geht es um mich und darum,
dass ich so oft ausgeschlossen bin,
weil ich nicht mitbekomme, was um mich herum geschieht.“
A: Und dann hat Jesus die Zunge berührt.
Und als er zum Himmel hoch sah, konnten wir alle sehen:
für Jesus hat das, was jetzt geschieht, mit seinem Vater, mit Gott zu tun.
B: Jesus ist schon ein ganz besonderer Mensch.
Der macht, dass sich die Ohren von Gehörlosen öffnen.
C: Jetzt bekomme ich eine Gänsehaut.
A: Hä??? Warum???
C: Erinnert ihr euch an gestern Abend?
B: Ja, wieso? Da saßen wir auch so wie heute ums Feuer.
C: Da haben wir doch über diesen Text vom Propheten Jesaja geredet.
A: Jetzt wo du es sagst, erinnere ich mich.
„Gott selbst wird kommen und euch erretten.“
Hieß es da.
„Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.“
B: Mensch, jetzt krieg ich auch eine Gänsehaut.
Genau so etwas haben wir ja heute erlebt!
Ein Gehörloser, oder wie man früher gesagt hat: ein Tauber,
kann wieder hören.
A: und er kann sprechen. Richtig verständliche Worte.
C: So etwas macht Gott, wenn er kommt, sagt Jesaja.
B: Gott ist also gekommen. Er ist da.
A: Wenn wir mit Jesus zusammen sind, ist Gott da.
C: Dann können Gehörlose plötzlich hören,
und Menschen mit einer Sprechbehinderung
können klar und deutlich sprechen.
B: Und Gott heilt auch unsere Ohren.
C: Wie meinst du das denn jetzt???
B: Diesen Text vom Propheten Jesaja haben wir doch schon tausendmal gehört.
Also mit den Ohren.
Aber was das wirklich heißt, haben wir erst jetzt verstanden.
Jesus hat auch unsere Ohren geöffnet!
A: So habe ich das noch nie gesehen!
B: Und Jesus öffnet uns auch die Augen. Damit wir sehen, wo jemand Hilfe braucht.
So wie die Freunde von dem Gehörlosen.
C: Die Freunde haben nicht nur mit den Ohren von Jesus gehört
und in ihrem Herzen verstanden, was Gott will,
die haben sogar gehandelt und ihren Freund zu Jesus gebracht.
A: Wenn wir das jetzt ein wenig besser verstehen,
sind also auch wir heute ein bisschen von Jesus geheilt worden:
B: Wir haben mit unseren äußeren Augen gesehen
und mit unseren äußeren Ohren gehört,
wie der Kranke gesund geworden ist.
C: Und tief in unserem Inneren, in unserem Herzen
haben wir etwas Neues gelernt:
Jesus kann unsere Ohren öffnen für Menschen, die uns brauchen.
Jesus kann unsere Ohren auch öffnen für die leise Stimme von Gott,
die in unserem Herzen spricht.
A: Überall da, wo jemand plötzlich offene Ohren und Augen bekommt,
wo jemand neu und besser versteht, was Gott will,
und wo jemand deshalb froh wird,
Kraft bekommt, in Bewegung gerät und so handelt wie Jesus,
da beginnt das Reich Gottes.
B: So wie es schon Jesaja gesagt hat:
Wo Taube hören und Stumme reden,
da ist Gott uns ganz nah.
Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon unserer Welt.
Amen.
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