Mittwoch, 14. Dezember 2016

Psalm 22.2016

Mein Gott, mein Gott, ich rufe zu dir:
wo bist du nur? Ach, zeig dich doch!

Warum hast du die Menschen in Aleppo verlassen,
bist fern ihrem Schreien und ihrer Klage?

Mein Gott, ich rufe bei Tag,
doch du gibst keine Antwort, keine Idee, was ich tun kann;

ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe
aus Sorge um die Menschen im Bomben- und Kugelhagel.

Dich zu loben fällt mir schwer,
auch wenn unsere Mütter und Väter dir immer vertrauten,
weil sie Rettung erfuhren und wussten: das warst du.

Sie hatten Glück und überlebten.
Aber was ist mit den Leidenden Syriens?

Von der eigenen Regierung verspottet, verachtet, ermordet.
Es sind doch auch deine Kinder!

Willst du nicht auch ihr Leben?
Wo ist deine schützende Hand?

Die Not ist groß und niemand hilft
und jetzt bist du auch noch fern.

Bomber beschießen sie von oben,
rundherum sind Waffen auf sie gerichtet.
Wie wilde Tiere stürzen sich Soldaten auf Unschuldige.

Ein ganzes Volk verschwindet wie Wasser im Sand,
verlischt wie eine Kerze im Sturm.

Ihre Kehlen schmerzen, trocken wie Scherben,
weil es nirgendwo mehr frisches Wasser gibt.

Den Kindern und Alten klebt die Zunge am Gaumen.
Überall grauer Staub des Todes.

Belagert werden die Unschuldigen,
wie die Geier warten Schützen auf todbringende Flucht.

Nur noch Haut und Knochen die vielen in Syrien
und die Welt schaut einfach nur zu.

Sie verhandeln und beraten,
machen Geld noch mit all dem Leid.

Zeig dich Gott, zeig uns, was wir tun können!
Gib uns Ideen und Kraft zu handeln!

Entreiße Syriens Menschen dem Tod!
Rette sie vor den todbringenden Waffen.

Gerne würde ich von dir singen und dich preisen,
wir feiern doch bald Weihnachten, das Fest der Liebe!

Würde gern davon künden, wie du rettest, befreist.
Wie soll das jetzt gehen bei all dem Leid?

Ich weiß, du bist hier, auch wenn ich dich nicht spüre.
Und du leidest und stirbst dort in der zerstörten Stadt.

Die Armen sollen essen und sich sättigen;
sie sollen wieder froh sein und ohne Angst.
Was für ein großes Geschenk wäre das!

Wenn die Herrschenden doch von dir lernten,
wie du leitest, begleitest, aufrichtest, schützt.

Zeig dich doch! Sei hier und dort!
Gib Trost, Ideen, Kraft und Mut.

Damit endlich Frieden wird
auf Erden.

Copyright: Andrea Rehn-Laryea 
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Kommentare:

  1. Ein lieber Text mit altem Irrtum. Ist eben kein Gott der eingreift. Müssen Menschen machen. Tun sie aber nicht, obwohl sie's zur rechten Zeit noch hätten können.

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    1. Ich denke, das kommt durchaus zum Ausdruck, diese Suche nach Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. Mir ging es allerdings vor allem darum, mit den alten Worten in neuer Form der Sprachlosigkeit wegen des Entsetzens darüber, was da in Aleppo geschieht, einen Ausdruck zu geben. Der Text entsprecht mit geringen Abweichungen der gedanklichen Abfolge von Psalm 22.

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