Freitag, 24. April 2015

Gebet für die Menschen auf der #Flucht übers Mittelmeer

Gott,
wieder stehen wir vor einer großen Flüchtlingstragödie.
Ratlos, hilflos, sprachlos, wütend.
Vor dich bringen wir unsere leeren Hände,
unsere widersprüchlichen Gefühle
und unsortierten Gedanken.

Du allein weißt, wie viele Tausend Menschen im Mittelmeer ertrunken sind,
weil ihre Boote alt, die Hilfe zu spät und letztlich auch,
weil ihnen ein sicherer Weg nach Europa verwehrt bleibt.
Wir denken an diese Toten und beten für sie.

Wir denken an die Frauen, Männer und Kinder,
die keinen sehnlicheren Wunsch hatten,
als ein Leben in Frieden und Sicherheit zu führen –
und die diesen Wunsch mit dem Leben bezahlt haben.

Wir denken an die Frauen, Männer und Kinder,
die ihre Heimat verlassen haben –
und auf dem gefährlichen Weg in eine bessere Zukunft
zu Tode kamen.

Wir denken an die Frauen und Männer,
an die Kinder und die Alten,
die niemand gerettet hat,
obwohl die Verantwortlichen wissen mussten,
dass Menschen in den Tod fahren.

Wir denken an die Angehörigen und Freunden der Ertrunkenen,
die diesen Verlust verarbeiten müssen,
und die keinen anderen Ort haben für ihre Trauer,
als die Weite des Meeres.

Wir denken auch an uns,
die wir uns oft so ohnmächtig fühlen –
und doch eine große Macht haben könnten,
wenn wir zusammenstehen und sagen: So nicht!

Gott, gib uns geschärfte Gewissen und den Mut,
auch für unsere fernsten Schwestern und Brüder einzustehen.
Verändere unsere Herzen und die unserer Politiker,
damit wir bessere Wege des Zusammenlebens in der Einen Welt finden.

Gib allen auf der Flucht Gestorbenen ihren Frieden,
den sie weder in ihren Herkunftsländern noch bei uns finden konnten.
Sei du Begleiter, Schutz und Trost aller Flüchtlinge
und lass sie Sicherheit und ein Zuhause finden.

Amen.

***********************

Zusammengestellt aus einem Gebet auf katholisch.de und einer Meditation auf der Celler Mahnwache sowie eigenen Gedanken. 
 

Montag, 23. Februar 2015

Meditative Bildbetrachtung zum Weltgebetstags-Titelbild 2015

Quelle: Weltgebetstag
Auf dem diesjährigen Weltgebetstags-Titelbild
eine starke Sonne,
- wie ein prächtiger Sonnenauf-
oder -untergang am Meer -
eine Sonne, die alles durchstrahlt,
den dunkelblauen Himmel durchbricht
und erröten lässt.
Diese Sonne rückt
sechs Flamingos und ein türkisblaues Meer
in ganz besonderes Licht.
Ein unglaublich farbenfrohes Bild!

Mosaikartig die Sonne in ihrem Mittelpunkt.
Vielteilig, brüchig,
wie die Federn der rosa Vögel.
Während die Sonne
geradezu vor Lebenskraft explodiert,
strahlt Ruhe aus
vom Wappentier der Bahamas,
den sechs Flamingos,
die ihre Köpfe tief zum Wasser neigen.

Ganz unten im Bild bricht das Meer auf.
Unter der Wasserdecke verborgen
schauen zwei Füße hervor,
gelb-gold im Licht eines Sonnenstrahls.
Barfuß, nackt, verletzlich.

Etwas steckt dahinter:
hinter diesem Weltgebetstags-Bild
- und unserem romantischen Urlaubsbild
von den Bahamas.
Es steckt etwas dahinter:
hinter der Schöpfung,
hinter ihrer Schönheit,
hinter der Oberfläche unseres Lebens.

Die Natur der Bahamas,
die Schöpfung und unser Leben:
brüchig und voller Sehnsucht
nach Heilsein und Heilung.
Rosa nicht nur die Flamingofedern auf dem Bild,
sondern auch die Korallen
unter den vielen Inseln.
Schön sind sie - aber auch verletzlich.
Bedroht vom Ansteigen der Meere
und nicht nur sie,
sondern alle Natur
und die Menschen.

Flamingos:
auf den Bahamas stehen diese Vögel symbolisch
für die Seelen der Menschen.
Die Brüchigkeit ihrer Federn möglicherweise hier als Bild
für sechs große Probleme
der Frauen, die dort leben,
ihre Hoffnungen und Sehnsüchte:

Für die Brüchigkeit des Lebens der Armen
und ihr Verlangen, Fülle zu erleben.

Für die Sehnsucht jener,
die von häuslicher Gewalt betroffen sind,
auf Überwindung ihrer Scham.

Für den Wunsch von Migrantinnen,
willkommen und mittendrin zu sein.

Für die Suche jugendlicher Mütter
nach Unterstützung und Begleitung
beim eigenen Erwachsenwerden
und der Erziehung ihrer Kinder.

Für das Verlangen
der an HIV und Aids Erkrankten,
zur Gemeinschaft dazu zu gehören.

Und für die Hoffnung
von an Brustkrebs erkrankten Frauen
auf Heilung und Leben.

Sechs Flamingos,
verbeugen sich tief
und trinken.

Es steckt etwas dahinter.
Auch hinter allem Leid.
Die Sonne verbunden
mit den gold-gelben Füssen:
vielleicht eine Fußspur dessen,
der als Licht der Welt
unser Leben
und das Leben der Frauen auf den Bahamas
durchstrahlen und hell machen will.
Fußspuren dessen,
der anderen die Füße
mit Wasser gewaschen hat.
Lebendiges Wasser um diese besonderen Füße,
das sich anbietet,
zur Quelle eines Lebens in Fülle zu werden.

Ein paradiesisches Bild
mit viel dahinter.
Mit kraftvoller Lebensfreude,
verdecktem Leid
und durchbrechender Hoffnung.
Für uns, die Frauen auf den Bahamas
und Menschen in aller Welt.

Andrea Rehn-Laryea

(Zusammengestellt nach Gedanken und Ideen der ökumenischen Weltgebetstags-Vorbereitungsgruppe Amelinghausen mit Frauen aus den Gemeinden Hippolit, Pella und  St. Godehard)

Mittwoch, 7. Januar 2015

#PrayersForParis

Vor ungläubigem Entsetzen
finde ich kaum Worte
die fassen könnten
meine Gedanken und Empfindungen
zu Terror, Gewalt und Tod in Paris.

Lass mein und unser Entsetzen
nicht umschlagen
in unüberlegtes Reden und Handeln, Gott.

Sieh auf uns und unseren entsetzten Blick.
Höre unsere Sprachlosigkeit.
Tröste unsere Trauer
und vor allem die der Angehörigen.

Lass Wut und Trauer
nicht zu Hass erstarren.
Sondern stärke uns,
dass wir uns nicht zu Aggression hinreißen
oder furchtsam einschüchtern lassen.

Glätte behutsam die Wogen dessen,
was uns innerlich so aufwühlt.
Schenke uns Weisheit und Gelassenheit,
Andersdenkende und Andersglaubende
nicht vorschnell zu verurteilen.

Wenn Entsetzen und Sprachlosigkeit
langsam von uns weichen,
gib Kraft uns einzusetzen,
wo wir etwas tun können
für Menschlichkeit
und deinen wahren Frieden.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Wo gehts hier zur Christmette?


Quelle: katholisch.de auf Twitter, Foto: Thorsten Melnicky. Danke für die Erlaubnis, das Bild nutzen zu dürfen!

Lust, am heutigen Heiligen Abend in eine Kirche zur Christmette zu gehen? Nur wann feiern die da eigentlich einen Gottesdienst? Es gibt mehrere Möglichkeiten, das heraus zu finden. Zum Beispiel über die Seite weihnachtsgottesdienste.de. Dort sind die Gottesdienste nach Konfessionen, Tagen und Orten aufgeführt. 

In der Kirchensuchmaschine stehen nur katholische Kirchen, aber es gibt sie als App für's Smartphone. Bei entsprechender Einstellung findet sie den eigenen aktuellen Standort und zeigt gleich die richtigen Kirchen in der Nähe an. Sie, ihre Familie, ihre Freundinnen und Freunde sind in allen Gottesdiensten herzlich willkommen! Carsten Leinhäuser sagt es noch ausdrucksvoller: Sie sind ein Geschenk Gottes in unseren Kirchen!

Und wer nicht mehr so genau weiß, wie das so geht in der Kirche mit sitzen, stehen, knien und so, wird hier schnell wieder fit gemacht.

Allen Leserinnen und Lesern eine frohe und gesegnete Weihnacht!

Samstag, 20. Dezember 2014

20. Dezember, Blog-Adventskalender: Unterwegs

Quelle: agnus-dei-verlag.de
(M)ein Beitrag zum "Blogoezese-Adventskalender" 2014.
"Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete."
Bald hören und lesen wir wieder diese Zeilen aus dem Lukas-Evangelium. Das ist zwar ein klein wenig voraus gegriffen, aber am heutigen 20. Dezember stelle ich mir vor, dass dieses Paar bereits unterwegs ist. Anfang Januar hören wir dann von Matthäus: 
"Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten."
Mit diesen beiden adventlich-weihnachtlichen Szenen verbinde ich seit einigen Jahren ein besonderes Kirchenfenster in einer Nachbargemeinde.  

Copyright by Andrea Rehn-Laryea
Es befindet sich links im Altarraum der katholischen Kirche Maria Assumpta in Egestorf. Maria und Joseph sind dort abgebildet, wie sie unterwegs sind.

Bei einer Führung durch St. Marien erklärte uns eine Frau der Gemeinde vor einigen Jahren, welche besondere Bedeutung dieses Bild für die Gläubigen dort hat. Es ist nämlich ihre Geschichte, die der Glaskünstler hier mit den biblischen Texten zusammengefügt hat. Ihre Kirche wurde deshalb 1964 gebaut, weil nach dem zweiten Weltkrieg durch Flucht und Vertreibung so viele Katholikinnen und Katholiken aus Osteuropa in die Region kamen, dass ein eigenes Gotteshaus notwendig wurde. (siehe auch hier)

Wie Josef und Maria mussten die Älteren der Gemeinde ihr Zuhause verlassen. Wie das Volk Israel und später Maria und Josef waren sie auf der Flucht, hatten alles hinter sich lassen müssen. Und bis sie eine eigene Kirche hatten, durften sie z.B. in der Egestorfer evangelischen St.-Stephanus-Kirche hautnah erleben, was es heißt: Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen. 

Die Art und Weise, wie uns damals dieses Glasfenster vorgestellt wurde und eine Landkarte im Gemeindehaus, auf der alle ursprünglichen Heimatorte markiert waren, haben mich tief und nachdrücklich berührt und mir diese Gemeinde nahegebracht.

Auch in diesem Jahr kommen wieder viele Menschen zu uns nach Europa, in unsere Dörfer und Städte, die ihre Heimat hinter sich gelassen haben. Flüchtlinge, die ein neues Zuhause in Frieden und Sicherheit bei uns suchen. Männer und Frauen, die hier und uns zunächst fremd sind und an unsere "Türen" klopfen. Manchmal kommen sie auch in unsere Kirchen. Ich wünsche ihnen, dass sie spüren, dass sie bei uns herzlich willkommen sind, gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit. Weil sie an die Geschichte vieler Menschen in unseren Gemeinden erinnern. Weil sie uns wesentliche Teile der Geschichte Jesu und des Volkes Gottes handgreiflich nahe bringen. Weil sie dazu gehören. Weil sie da sind. Weil sie sind wie wir

Morgen, am 4. Advent, feiern wir in St. Godehard, Amelinghausen, um 15.00h die Ankunft des Friedenslichts aus Betlehem in einem musikalisch besonders gestalteten ökumenischen Gottesdienst. Anders als die große Osterkerze, die schnell sicher auf ihrem Ständer steht, braucht das Betlehemslicht für sein langes Unterwegssein den Schutz einer Laterne, so wie der neugeborene Jesus auf den ersten, gefährlichen Schritten seines Lebenswegs den Schutz seiner Familie brauchte. Aber auch das kleine Weihnachtslicht breitet sich aus in viele Häuser und erleuchtet die Dunkelheit langer Dezembernächte in Vorfreude auf das Weihnachtsfest.

Ich hoffe sehr, dass viele der Flüchtlinge, die zur Zeit in unserer Samtgemeinde auf ihren Prozess warten, durch unsere ausdrückliche Einladung zum Gottesdienst mit dem Friedenslicht aus Betlehem spüren, dass sie uns herzlich willkommen und nicht egal sind. Angesichts von Pegida* und ähnlichen aktuellen rechtspopulistischen Auswüchsen halte ich es für um so wichtiger, dass gerade wir Kirchen ausdrücklich betonen und zeigen, wie wir uns freuen, wenn Flüchtlinge aus unserem konkreten Umfeld mit uns beten und singen und anschließend auf ein Tässchen Kaffee oder Tee bleiben. Und dass sie mit uns rechnen können, wenn sie Unterstützung brauchen.

Für uns alle hoffe ich, dass mit dem greifbaren Zeichen des Betlehemlichts und all den Kerzen, die jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit leuchten, das Licht der Geburt Christi ein wenig in unseren Alltag hineinstrahlt: in das der Menschen, die unterwegs oder auf der Flucht sind und in das derer, die ihnen eine Bleibe und Heimat (und sei es nur auf Zeit) verschaffen.

*(Diese Anmerkung bezüglich Pegida etc. war ursprünglich nicht geplant, erscheint mir aber inzwischen unerlässlich.)

***

Das nächste Adventskalendertürchen öffnet sich morgen bei "Rosenkranz und Pilgerzeichen". Eine Gesamtübersicht findet sich hier.

Diese Blogs machen mit beim Adventskalender:

Einstimmung: http://5brote2fische.de
1 http://dashoerendeherz.blogspot.de/
2 http://kalliopevorleserin.wordpress.com/
3 http://jobo72.wordpress.com/
4 http://laudasion1.wordpress.com/
5 http://lara-liest.blogspot.de/
6 http://kreuzzeichen.blogspot.com/
7 http://kephas.de
8 http://katholon.de
9 http://www.diekatholischeseite.at/wp/
10 http://demut-jetzt.blogspot.de/
11 http://mightymightykingbear.blogspot.de/
12 http://www.rosenkranz-atelier.blogspot.com
13 http://ocruxavespesunica.de/
14 http://weihrausch.wordpress.com
15 http://heikesanders.blogspot.de/
16 http://totaliter-aliter.blogspot.co.at/
17 http://jahr-des-glaubens.blogspot.de/
18 http://testimonium-gaudii.blogspot.de/
19 http://eumloquatur.wordpress.com/
20 http://kircheinderheide.blogspot.de/
21 http://rosenkranzbeten.info/
22 http://angie.kamlage-reddig.de/
23 http://medioinmundo.wordpress.com
24 http://brautdeslammes.blogspot.com

Mittwoch, 17. Dezember 2014

#ichwillzukunft (M)Ein Beitrag zur Blogparade von @Adveniat

Quelle: Adveniat
Um das Thema Zukunft geht es in der aktuellen Jahresaktion von Adveniat. Unter anderem sind Bloggerinnen und Blogger aufgefordert und eingeladen, sich zu diesem Thema Gedanken zu machen – auch wenn sie mit Lateinamerika wenig oder nichts zu tun haben.

Wie sieht es aus mit dem Thema Zukunft in der Urlauberseelsorge im Bistum Hildesheim und der Lüneburger Heide? Was beschäftigt mich und uns dabei gerade?

Fakt ist: mein Kollege Bernhard Schillmüller aus Cuxhaven und dem Elbe-Weser-Dreieck geht nächstes Jahr in den Ruhestand. Damit wird es in Cuxhaven, dem mit jährlich über 3 Millionen Übernachtungen größten Kurort Deutschlands keine Urlauberseelsorge mehr geben, es sei denn, in Gemeinde, Dekanat und Bistum rührt sich noch etwas, das der kirchlichen Verantwortung für Reisende eine zukunftsfähige Form gibt. #IchwillZukunft ist also in meinem/unserem Arbeitsfeld gerade hoch aktuell!

Laut Stellenplan 2020 wird es bis eben in diesem Jahr noch meine Stelle in der Urlauberseelsorge in der Lüneburger Heide geben. Ohne Kollegen und Kolleginnen aus der eigenen Kirche oder der Ökumene ist es allerdings um einiges schwieriger, diese Arbeit zu tun. Ganz konkret heißt dies: Den Bereich der "Kirche Unterwegs" Arbeit ("Campingseelsorge") wird es zukünftig im Bistum Hildesheim nicht mehr geben.

Das Kinderferienprogramm von "Kirche Unterwegs" in Amelinghausen führe ich zwar fort, die Suche nach neuen Teamerinnen und Teamer und deren Aus- und Fortbildung wird aber nicht fortgesetzt. Das bedauere ich sehr! Gerade die Arbeit mit den Teams, in denen Jugendliche, Familien und Senioren zusammenarbeiten und Verantwortung übernehmen, halte ich für beinahe einmalig in der kirchlichen Arbeit. Sie ist mir in dieser Form und Intensität an anderer Stelle noch nicht untergekommen.

Eine große Chance, Kindern, Familien und anderen in ihrer Urlaubssituation religiöse und biblische Themen kreativ nahe zu bringen und ein sympathisches, mitgehendes Bild von Kirche zu vermitteln wird daher mit der Beendigung der "Kirche Unterwegs" Arbeit ungenutzt bleiben. Es sei denn, Gemeinden, Dekanate oder kleine Gruppen von Engagierten entdecken für sich selbst: „Das können wir auch! Zwar nicht auf jedem Campingplatz und nur in kleinem Stil, aber in unserem nahen Umfeld bieten wir etwas an für die Leute, die bei uns ihren Urlaub verbringen.“ Das sind nämlich nicht nur weithergereiste Gäste, sondern in Zeiten knapper werdender Kassen zunehmend auch Kinder und Familien aus dem eigenen Umfeld.
  • Warum also nicht bewusst in der Urlaubs- und Ferienzeit mit Daheimgebliebenen und denen, die zu Gast sind, biblische oder anders thematische Wochen oder Tage anbieten, in eigenen Räumen oder unterwegs? Kinderbibelwochen und religiöse Kinderwochen (RKW) haben in unseren Kirchen eine lange Tradition. Es gibt gutes Material dazu, mit dem sofort losgelegt werden kann. Und es spricht nichts dagegen, neben Kindern auch Jugendliche und Erwachsene mit einer solchen, angepassten Aktion anzusprechen und bewusst altersübergreifend zu arbeiten.
  • Warum nicht in einer Gemeinde in Kooperation mit touristischen Stellen z.B. Nachtwanderungen anbieten, in die Elemente der Stille, der Wahrnehmung, des Gesprächs oder des Pilgerns eingebunden sind und die mit einer Geschichte, einem Gute-Nacht-Lied oder Segen enden? 
  • Warum nicht mal ohne großen Aufwand eine Sonntagsmesse unter freiem Himmel feiern? Im Pfarrgarten, an einem See, auf einem Berg oder hinterm Deich? 
  • Warum nicht mal auf die Basics schauen: Wie findet eigentlich jemand, der fremd ist, den Weg zu unseren Kirchen, in unsere Gottesdienste und Veranstaltungen? Wie sind wir öffentlich ausgeschildert? Und: Wie können wir auch jenseits kircheninterner Medien Gemeindefremde informieren und erreichen? Wie können kirchliche Infos z.B. an touristisch relevanten Plätzen oder auf Campingplätzen ausgehängt und den Tourist-Infos zur Verfügung gestellt werden? 
Eine Kultur des Willkommens und der Gastfreundschaft kann schon mit kleinen, einfachen Akzenten nachhaltig entwickelt werden.

Und was hat das alles mit Adveniat oder Lateinamerika zu tun? Wo können sich Urlauberseelsorge und Solidaritätsarbeit treffen? Wie auch die anderen kirchlichen Hilfswerke gibt es von Adveniat hervorragend ausgearbeitetes Arbeitsmaterial für viele Altersstufen. Viel Material von Adveniat, missio oder Misereor bleibt allerdings zu den Aktionszeiten ungenutzt, was sehr schade ist. Gerade aber in den Ferienwochen, in denen es auf Gemeindeebene eher ruhig ist, wäre Zeit und Gelegenheit, mit diesem Material zu arbeiten, auch jenseits der „offiziellen“ Aktionszeiten.

Mit Ausstellungen der verschiedenen Hilfswerke beispielsweise können Urlaubsgäste zu einem Besuch in die veranstaltende Kirche eingeladen und auf eine gedankliche Weltreise mitgenommen werden. Damit habe ich in der Vergangenheit gute und interessante Erfahrungen gesammelt. Auch mit "Rucky Reiselustig" kann man nicht nur in der Fastenzeit die Probleme der Kinder der Welt entdecken.


Themen anderer Kontinente wie Klimawandel haben auch mit uns zu tun. Ganz konkret. Ebenso Themen wie Armut oder Flucht. Oder eben „Zukunft“ oder (scheinbare) Zukunftslosigkeit.

Ferien sind nicht nur selbstbezogene Luxuszeiten. Urlaub, Engagement, Weitblick und Verantwortung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: wenn Alltagssorgen wegfallen, entsteht Raum, sich für andere Themen und Fragestellungen zu öffnen und zu interessieren.

Meine Zukunftshoffnung ist, dass unsere Kirchengemeinden einen solchen Blick für ihre konkreten Gäste bekommen - und ihn bestenfalls ausweiten, über die Urlaubsgäste hinaus auf andere Menschen, die nur auf Zeit vor Ort zu Gast sind wie z.B. Saisonarbeitskräfte oder Flüchtlinge, und auf Menschen, die an ganz anderen Ecken der Erde leben und von Urlaub nur träumen können. Diesen Blick zu schärfen ist etwas, das mir für die Zukunft der Urlauberseelsorge am Herzen liegt.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Familiengottesdienst mit Taufe, 3. Advent, Lesejahr B

Sonntag war bei uns Familiengottesdienst mit den Kommunionkindern und einer Taufe. Der Evangeliumstext stammte aus dem Johannesevangelium (Joh 1,6-8.19-28) mit seiner für viele sehr unverständlichen Sprache (hier unten). Folgendes haben wir als Ansprache daraus gemacht.

(beteiligt: 5 Personen: A und B: Personen aus heutiger Zeit, T: gerade Getaufer, J: Johannes, Sprecher_in des Evangeliums; Requisiten: graue Decke für J, weiße Decke für T)



A: Das war wieder so ein schweres Evangelium mit Licht und Zeugnis und Propheten und so. Hab mal wieder fast nichts verstanden.
B: Ging mir ähnlich. Aber irgendwie ging es um Johannes. Das war doch der, der getauft hat, oder?
A: Ja, um den ging es. Und um Leute, die ihn gefragt haben, wer er ist.
B: Komisch, das war doch Johannes der Täufer! Wussten die das nicht?
A: Ich habe eine Idee: Lass uns eine Zeitreise machen.
B: Auja! Und dann fragen wir Johannes einfach mal selbst.
A: Ok, Zeitreisen gibt es ja nicht wirklich. Aber wir tun mal so, als ob das ginge.
Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.



Johannes (J, graue Decke) tauft (Geste des Wasser übergießens machen, weiße Decke umhängen) eine andere Person (T).

B: Schau mal, da wird jemand getauft! Da muss Johannes sein!
A: Lass uns mal hingehen! Hallo Johannes!
J: Hallo ihr zwei, schön euch zu begegnen.
B: Wir freuen uns auch! (zu T) Und du hast dich gerade taufen lassen?
T: Ja, ich möchte ein neues Leben mit Gott anfangen.


B: Duhu, Johannes, wir haben da eben ganz komplizierte Sachen über dich gehört. Kannst du uns helfen, das zu verstehen?
J: Gerne!
T: Ich kann euch auch helfen! Lasst mal hören!
B: Hör mal, was da über dich steht!
Johannes kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.



A: Zeuge, Zeugnis ablegen: Hä? Was heißt das alles?
T: Zeugen kennt ihr doch: Wenn zum Beispiel ein Unfall passiert ist und du hast das gesehen. Dann fragt dich die Polizei, was passiert ist, weil du eine Zeugin bist.
B: (zu J) Du kanntest also Jesu und konntest von ihm erzählen, als Zeuge?
J: Ja, ich bin doch mit ihm verwandt und nur ein bisschen älter als Jesus. Ich habe ganz schnell gemerkt, dass Jesus ein ganz besonderer Mensch ist, der Gott ganz nahe ist.

A: Und was ist dieses "Zeugnis ablegen"? Wenn ich mein Zeugnis in der Schule bekommen habe, dann wird es in einen Ordner gelegt. Ist das das gleiche?
T: Mit deinem Zeugnis wird deinen Eltern weitergesagt und erzählt, was du gut kannst und wo du noch lernen musst. "Zeugnis ablegen" heißt so viel wie: weitersagen oder erzählen, was du wichtiges erlebt hast.
J: Genau! Oder wenn jemand heiratet. Dann gibt es Trau-Zeugen. Die können dann sagen: Ich war bei dieser Hochzeit dabei. Ich kann bezeugen, dass die beiden wirklich geheiratet haben!
B: Achso! Und weil du von Jesus erzählt hast, weil du gesagt hast: Ich bin ein Zeuge und weiß, dass dieser Jesus Gott ganz nahe ist, haben die dich gefragt, wer du bist und woher du das alles weißt.
Die Juden sandten von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm
mit der Frage: Wer bist du? Bist du Elija? Bist du der Prophet? Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?




A: Ja, kannten die dich denn nicht?
T: Johannes hat ja nicht nur getauft, sondern auch immerzu von Gott geredet.
B: ... und von Jesus ...
T: Genau. Die Art und Weise wie er geredet hat, hat die Leute mit jüdischem Glauben an die alten Propheten erinnert, die auch viel über Gott geredet haben.
A: Und deshalb haben sie gedacht, Johannes könnte so ein Prophet sei?
J: Genau. Sie dachten: Vielleicht ist da einer dieser Propheten zurückgekommen. Aber ich wusste ja genau: das bin ich nicht. Ich bin Johannes und ich taufe! Und Jesus kommt erst noch. Und macht noch viel tollere Sachen.
B: Aber in dem Text steht das anders und viel komplizierter!
Johannes bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.
Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.




A: Messias war doch der, auf den sie so sehr gewartet haben. Von dem sie geglaubt haben, dass dann alles gut wird. Oder?!?
T: Genau, auf den haben wir gewartet. Und die Propheten, zum Beispiel der Prophet Jesaja, hat gesagt, dass wir uns auf ihn vorbereiten müssen, wenn er kommt.
B: Wenn wir Besuch bekommen, bereiten wir auch immer alles vor. Und ich muss dann immer aufräumen. Das ist blöd.
J: Von einer etwas anderen Art von Aufräumen habe ich auch gesprochen. Von einem Aufräumen innen drin. In unseren Herzen. Da kann das auch manchmal ganz schön wüst drin aussehen. Wenn wir schlimme Sachen denken zum Beispiel.
B: Ach so! Und dann haben sie dich auch noch gefragt, warum du taufst. Und die Antwort habe ich ja ü-ber-haupt-nicht verstanden.
Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.



B: Mit Wasser taufen, das kenne ich. Der Jarne wird ja auch gleich mit Wasser getauft. Zur Taufe gehört Wasser, ist ja klar. Aber irgendwie ist dieser Satz geheimnisvoll.
A: (zu B:) Ich denke, Johannes hat auch da wieder von Jesus gesprochen.
(zu J:) Aber warum darfst du ihm nicht die Schuhe aufmachen? Das macht man doch eigentlich nur bei kleinen Kindern, die das noch nicht selber können!
T: Bei uns früher war das so: Die Wege waren damals nicht so sauber wie heute und unsere Schuhe und Sandalen deshalb ganz schön dreckig und ekelig. Wer konnte, der hat sich die Schuhe lieber nicht selber ausgezogen. Reiche Leute hatte da ihre Diener für.
B: Ah, ich weiß! Und Jesus hat sogar mal seinen Freunden die Füße gewaschen!
A: Iiieh!
J: Ja, ich wollte denen, die mich gefragt haben, sagen, dass Jesus viel größer und wichtiger ist als ich.
A: Und das mit den Schuhen heißt also so viel wie: Gegenüber Jesus bin ich noch unwichtiger als ein Diener und habe eigentlich gar nichts zu sagen.
J: Ja, ganz genau.
B: Und dann war da noch irgendetwas mit Licht.
Johannes war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.



A: Du hast also irgendwas von Licht weitererzählt oder mit diesen alten Worten: Du hast davon "Zeugnis abgelegt". Versteh ich nicht.
J: Du hast doch bestimmt schon mal ein Bild gemalt, als du traurig warst! Was hast du da für Farben genommen? (evtl. Kinder fragen!)
A: Einmal, da habe ich ganz viel Schwarz und Grau und Dunkelblau und schmutziges Rot und Gelb genommen. Das Bild war ziemlich dunkel und gar nicht bunt.
J: Vielleicht, weil es in deinem Herzen so dunkel war.
A: Und dann hat mich meine Freundin getröstet und Quatsch mit mir gemacht. Da mochte ich das dunkle Bild nicht mehr und wir haben was Schöneres und Buntes zusammen gemalt.
J: Deine Freundin hat dich fröhlich gemacht. Und alles hat sich wieder heller angefühlt.
A: Ja, als ob sie ein in mir Licht angeknipst hätte.

J: Jesus war auch so ein Mensch, der für ganz viele Menschen das Leben fröhlicher und heller gemacht hat. Deshalb sagen wir auch: Jesus ist das Licht der Welt.
B: Wir haben im Kommunionkurs unsere Gruppenkerze, die erinnert uns daran, dass Jesus in unserer Mitte ist.
A: Und hier in der Kirche haben wir auch viele Kerzen. Und die größte und Schönste ist die Osterkerze.
B: Das ist ja auch so eine Art Jesuskerze. Und weißt du was: gleich, wenn doch der Jarne getauft wird, kriegt der auch eine ganz tolle Taufkerze. Das ist auch so eine Jesuskerze!
A: Weil Jesus auch sein Leben hell machen will.
B: Und damit man dieses Helle auch gut sehen kann, trägt ein Täufling ja auch so oft etwas ganz Helles oder Weißes wie der Jarne sein Taufkleid.
A: Genau! Das ist richtig schön!

***

B: (zu A) Weißt du was? Ich will jetzt wieder zurück in unsere Zeit. Und zugucken, wie der Jarne getauft wird. Und ob der schreit, wenn das Wasser über seinen Kopf läuft.
A: Und ich will seine Taufkerze sehen. Wie Jesus, das Licht, auch für den Jarne ganz hell scheint.
B: Da sind wir dann auch mal Zeugen: Tauf-Zeugen!
A: Und werden selber Zeugnis ablegen.
B: Hä?
A: Na, bei einer Taufe wird doch immer ganz besonders
aufmerksam das Glaubensbekenntnis
gesprochen! Da legen wir Zeugnis ab über unseren Glauben.
B: Dann schnell zurück in unsere Zeit!
A+B: (zu J+T) Tschüß ihr zwei! Und danke!
J+T: Amen!

Unterwegskalender - Vorwort

Wie im Advent an jedem Tag ein Text-Türchen.

Für Urlaubs- und Lebensreisen,

unterwegs und zu Hause,

auf fremden und vertrauten Wegen,

draußen und drinnen.

Jeden Tag im Juli und August

ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen

in der virtuellen Hosentasche

auf den Urlaubs- oder Alltagsweg.