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Mittwoch, 17. Dezember 2014

#ichwillzukunft (M)Ein Beitrag zur Blogparade von @Adveniat

Quelle: Adveniat
Um das Thema Zukunft geht es in der aktuellen Jahresaktion von Adveniat. Unter anderem sind Bloggerinnen und Blogger aufgefordert und eingeladen, sich zu diesem Thema Gedanken zu machen – auch wenn sie mit Lateinamerika wenig oder nichts zu tun haben.

Wie sieht es aus mit dem Thema Zukunft in der Urlauberseelsorge im Bistum Hildesheim und der Lüneburger Heide? Was beschäftigt mich und uns dabei gerade?

Fakt ist: mein Kollege Bernhard Schillmüller aus Cuxhaven und dem Elbe-Weser-Dreieck geht nächstes Jahr in den Ruhestand. Damit wird es in Cuxhaven, dem mit jährlich über 3 Millionen Übernachtungen größten Kurort Deutschlands keine Urlauberseelsorge mehr geben, es sei denn, in Gemeinde, Dekanat und Bistum rührt sich noch etwas, das der kirchlichen Verantwortung für Reisende eine zukunftsfähige Form gibt. #IchwillZukunft ist also in meinem/unserem Arbeitsfeld gerade hoch aktuell!

Laut Stellenplan 2020 wird es bis eben in diesem Jahr noch meine Stelle in der Urlauberseelsorge in der Lüneburger Heide geben. Ohne Kollegen und Kolleginnen aus der eigenen Kirche oder der Ökumene ist es allerdings um einiges schwieriger, diese Arbeit zu tun. Ganz konkret heißt dies: Den Bereich der "Kirche Unterwegs" Arbeit ("Campingseelsorge") wird es zukünftig im Bistum Hildesheim nicht mehr geben.

Das Kinderferienprogramm von "Kirche Unterwegs" in Amelinghausen führe ich zwar fort, die Suche nach neuen Teamerinnen und Teamer und deren Aus- und Fortbildung wird aber nicht fortgesetzt. Das bedauere ich sehr! Gerade die Arbeit mit den Teams, in denen Jugendliche, Familien und Senioren zusammenarbeiten und Verantwortung übernehmen, halte ich für beinahe einmalig in der kirchlichen Arbeit. Sie ist mir in dieser Form und Intensität an anderer Stelle noch nicht untergekommen.

Eine große Chance, Kindern, Familien und anderen in ihrer Urlaubssituation religiöse und biblische Themen kreativ nahe zu bringen und ein sympathisches, mitgehendes Bild von Kirche zu vermitteln wird daher mit der Beendigung der "Kirche Unterwegs" Arbeit ungenutzt bleiben. Es sei denn, Gemeinden, Dekanate oder kleine Gruppen von Engagierten entdecken für sich selbst: „Das können wir auch! Zwar nicht auf jedem Campingplatz und nur in kleinem Stil, aber in unserem nahen Umfeld bieten wir etwas an für die Leute, die bei uns ihren Urlaub verbringen.“ Das sind nämlich nicht nur weithergereiste Gäste, sondern in Zeiten knapper werdender Kassen zunehmend auch Kinder und Familien aus dem eigenen Umfeld.
  • Warum also nicht bewusst in der Urlaubs- und Ferienzeit mit Daheimgebliebenen und denen, die zu Gast sind, biblische oder anders thematische Wochen oder Tage anbieten, in eigenen Räumen oder unterwegs? Kinderbibelwochen und religiöse Kinderwochen (RKW) haben in unseren Kirchen eine lange Tradition. Es gibt gutes Material dazu, mit dem sofort losgelegt werden kann. Und es spricht nichts dagegen, neben Kindern auch Jugendliche und Erwachsene mit einer solchen, angepassten Aktion anzusprechen und bewusst altersübergreifend zu arbeiten.
  • Warum nicht in einer Gemeinde in Kooperation mit touristischen Stellen z.B. Nachtwanderungen anbieten, in die Elemente der Stille, der Wahrnehmung, des Gesprächs oder des Pilgerns eingebunden sind und die mit einer Geschichte, einem Gute-Nacht-Lied oder Segen enden? 
  • Warum nicht mal ohne großen Aufwand eine Sonntagsmesse unter freiem Himmel feiern? Im Pfarrgarten, an einem See, auf einem Berg oder hinterm Deich? 
  • Warum nicht mal auf die Basics schauen: Wie findet eigentlich jemand, der fremd ist, den Weg zu unseren Kirchen, in unsere Gottesdienste und Veranstaltungen? Wie sind wir öffentlich ausgeschildert? Und: Wie können wir auch jenseits kircheninterner Medien Gemeindefremde informieren und erreichen? Wie können kirchliche Infos z.B. an touristisch relevanten Plätzen oder auf Campingplätzen ausgehängt und den Tourist-Infos zur Verfügung gestellt werden? 
Eine Kultur des Willkommens und der Gastfreundschaft kann schon mit kleinen, einfachen Akzenten nachhaltig entwickelt werden.

Und was hat das alles mit Adveniat oder Lateinamerika zu tun? Wo können sich Urlauberseelsorge und Solidaritätsarbeit treffen? Wie auch die anderen kirchlichen Hilfswerke gibt es von Adveniat hervorragend ausgearbeitetes Arbeitsmaterial für viele Altersstufen. Viel Material von Adveniat, missio oder Misereor bleibt allerdings zu den Aktionszeiten ungenutzt, was sehr schade ist. Gerade aber in den Ferienwochen, in denen es auf Gemeindeebene eher ruhig ist, wäre Zeit und Gelegenheit, mit diesem Material zu arbeiten, auch jenseits der „offiziellen“ Aktionszeiten.

Mit Ausstellungen der verschiedenen Hilfswerke beispielsweise können Urlaubsgäste zu einem Besuch in die veranstaltende Kirche eingeladen und auf eine gedankliche Weltreise mitgenommen werden. Damit habe ich in der Vergangenheit gute und interessante Erfahrungen gesammelt. Auch mit "Rucky Reiselustig" kann man nicht nur in der Fastenzeit die Probleme der Kinder der Welt entdecken.


Themen anderer Kontinente wie Klimawandel haben auch mit uns zu tun. Ganz konkret. Ebenso Themen wie Armut oder Flucht. Oder eben „Zukunft“ oder (scheinbare) Zukunftslosigkeit.

Ferien sind nicht nur selbstbezogene Luxuszeiten. Urlaub, Engagement, Weitblick und Verantwortung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: wenn Alltagssorgen wegfallen, entsteht Raum, sich für andere Themen und Fragestellungen zu öffnen und zu interessieren.

Meine Zukunftshoffnung ist, dass unsere Kirchengemeinden einen solchen Blick für ihre konkreten Gäste bekommen - und ihn bestenfalls ausweiten, über die Urlaubsgäste hinaus auf andere Menschen, die nur auf Zeit vor Ort zu Gast sind wie z.B. Saisonarbeitskräfte oder Flüchtlinge, und auf Menschen, die an ganz anderen Ecken der Erde leben und von Urlaub nur träumen können. Diesen Blick zu schärfen ist etwas, das mir für die Zukunft der Urlauberseelsorge am Herzen liegt.

Montag, 18. November 2013

Blockstöckchen aufgenommen - Gespräch von Blog zu Blog

Ein Blog sollte nicht nur der Information sondern auch der Kommunikation dienen. Vernetzung lautet das Zauberwort. Eine Möglichkeit, mit anderen Blogschreiberinnen und -schreibern in Austausch zu kommen, ist es, sich in der Art von Kettenbriefen gegenseitig Fragen zu stellen und um Beantwortung zu bitten, „Blogstöckchen“ genannt.
 
Kilian Martin, den ich auf dem Kongress Kirche² kennenlernte und mit dem ich auf Twitter in Ausstausch stehe, hat u.a. mich hier auf seinem Blog gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

1.: Offline-Predigt in der Gemeinde oder Online-Verkündigung im Netz?
2.: Blog vs. Twitter vs. Facebook vs. … (vs. Offline): Wo hältst Du Deine “Areopagrede”?
3.: Auf einen Kaffee mit Nadia Bolz-Weber oder auf eine Mate mit Papst Franziskus?
4.: Ein Positivbeispiel für Kirche im Netz, das unbedingt mehr Beachtung finden sollte?
5.: Für welche Idee für die Kirche im Netz wolltest Du schon immer ein paar Mitstreiter gewinnen?
 
Dann will ich mal Antworten versuchen, die auch diejenigen interessieren könnten, die hier sonst nach Infos aus der Urlauberseelsorge stöbern.
 
1.: Offline-Predigt in der Gemeinde oder Online-Verkündigung im Netz?
So sehr ich die Vielfalt an Predigten und anderen Verkündigungsformen im Netz schätze, live und in Farbe mit anderen Leuten in einer (ggf. auch mal kalten) Kirche, einem Seminarraum, Zelt oder ganz Open Air ist mir immer noch am liebsten. Die Kommunikation ist hier unmittelbarer – auch wenn ich z.B. bei einem Twitter-Gottesdienst ganz direkt einen Kommentar hinzufügen kann. Ich brauche die Atmosphäre, zu der nicht nur ein entsprechender Raum sondern auch die anderen anwesenden Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer ganz wesentlich beitragen. Also: Offline-Predigt.
 
2.: Blog vs. Twitter vs. Facebook vs. … (vs. Offline): Wo hältst Du Deine “Areopagrede”?
Um differenzieren zu können, halte ich das Bloggen am ehesten für geeignet. Aber sind “Areopagreden” überhaupt noch angemessen? Mir fehlt daran das Dialogische. Ich mag nicht Leute zutexten, sondern bin lieber im Gespräch. Sei es bei Dialogpredigten (Predigtgespräch wäre mir noch lieber oder ein Bibliolog, aber ersteres ist zu ungewohnt, für zweiteres bin ich nicht ausgebildet) oder bei Vorträgen. Gerne teile ich meine Gedanken, setze sie aber noch lieber in Beziehung zu denen anderer. Also: besser keine Areopag-"Rede”.

3.: Auf einen Kaffee mit Nadia Bolz-Weber oder auf eine Mate mit Papst Franziskus?
Ob die beiden sich kennen? Ich kenne beide ja auch nur aus der Distanz. Am liebsten wäre mir ein Spaziergang mit Nadia Bolz-Weber und Papst Franziskus am Nordseestrand bei Ebbe. Oder ob die auch Lust hätten auf eine Runde Geocaching? Ich könnte z.B. einen Cache der Reihe „Gotteshäuser“ heraussuchen ...

4.: Ein Positivbeispiel für Kirche im Netz, das unbedingt mehr Beachtung finden sollte?
Die Videoserie „Katholisch für Anfänger“! Kleine, witzig gemachte Zeichentrickfilme bringen nicht nur für Neulinge lustvoll auf den Punkt, was das Katholischsein ausmacht. Sie können über die Seite katholisch.de oder über YouTube angeschaut werden. Sehr schön finde ich beispielsweise den aktuellen Film über die Laiengremien. Unbedingt anklicken! Und noch eins und noch eins ... Besonders stolz macht mich, dass unser Bistum Hildesheim maßgeblich daran beteiligt ist!

5.: Für welche Idee für die Kirche im Netz wolltest Du schon immer ein paar Mitstreiter gewinnen?
Für das Blog des Dekanats Lüneburg. Ich wünschte, es würden sich aus jeder Gemeinde, aus jedem Kirchort und aus den verschiedenen Institutionen unseres Dekanats Menschen daran beteiligen. Es könnte zu Veranstaltungen eingeladen oder rückblickend Fotos hochgeladen werden. Wir würden mehr von einander wissen und der Zusammenhalt untereinander könnte wachsen. Im Moment scheint das aber noch schwierig zu sein. Das Bewusstsein für die Kommunikation über Gemeindebrief und Mundpropaganda hinaus ist offenbar noch nicht so ausgeprägt.

Jetzt bin ich wohl dran, Fragen zu formulieren und sie an andere weiter zu reichen.
  1. Kirche/Religion im Urlaub: Besuchst du Kirchen/Gotteshäuser, Gottesdienste oder kirchliche/religiöse Veranstaltungen und warum bzw. warum eher nicht, niemals?
  2. Mit welcher biblischen Person würdest du dich gerne mal unterhalten und worüber?
  3. Eine Flut von Adventskalendern bricht demnächst über uns ein. Was für einen bevorzugst du: online, per Mail, mit Schoki & Co, gekauft oder selbstgemacht, gar keinen, ...?
  4. Wie feierst du am liebsten Weihnachten: in der Familie, mit Freund_inn_en, alleine, auf einer Feier für und mit Einsamen und/oder Obdachlosen, im Kloster, ruhig oder Party, bei der Arbeit, ...?
  5. Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren? 
Ich reiche das Stöckchen weiter an Andreas, diese und diese Andrea, Ralf, wenn er aus dem Urlaub zurück ist, und Horst Peter alias Pfarrer Pohl. Ob von denen der eine oder die andere Lust zu antworten hat? Natürlich darf auch jeder und jede andere Interessierte, der oder die sooo gerne zu den Fragen eingeladen worden wäre, mitmachen. Gebt doch kurz im Kommentarbereich Bescheid, wo etwas zu lesen ist.

Ach ja: und wer die Fragen beantwortet hat, kann selber neue formulieren und das Stöckchen an andere weiterwerfen.

UPDATES:
Andreas hat hier das Stöckchen aufgenommen, die Fragen beantwortet und neue formuliert. Danke dafür! Ebenfalls danke für ihre Beiträge an "Tante Gertrud", Pfarrer Pohl und Andrea!

Donnerstag, 30. Mai 2013

Der 8e Tag

Angenommen, es gäbe einen achten Tag in der Woche.
Was würdest du tun, wenn deine Woche einen Extra-Tag hätte? Was wäre möglich, wenn die Woche einen achten Tag hätte? Einen unverplanten, freien Tag. Eine Tag für den es keine Regeln und keine Konventionen gibt. Wäre es ein Tag für dich allein? Ein Tag mit anderen? Zum Aktiv Sein oder zum Ausruhen? Zum Entdecken oder zum Nachdenken? Alte Freunde besuchen oder neue Leute kennenlernen?
Diese Fragen stellt das Team von Kirche² auf einer neuen Seite zum Mitmachen. Schon Ideen für solch einen 8en Tag?? Einfach rüberklicken und eintragen! Keine Ideen? Rüberklicken und inspirieren lassen.

Und mir die Frage stellen, wieso ich diese 8e-Tages-Sache nicht einfach mal in die 7-Tageswoche einbaue ... (oder das, was ich auf den Urlaub verschiebe, auch mal in den Alltag ...)

Hier noch eine kleine lyrische Spielerei zur "8" aus dem Gedankenflyer zu Fastenzeit und Ostern von 200... tatsächlich: 8!

Ostern8

Auferstehung am ersten Tag
einer neuen Woche lag.
Am Tag Nummer 8
Neuschöpfung erw8.
Was niemand ged8,
hat Gott gem8.

Als helles Licht
die N8 durchbricht:
ganz neues Leben
8sam gegeben.
So siegte großer Liebe M8
über den Tod in der Ostern8.

Nachtrag:

Oster-Leben
in Taufe gegeben.
So haben Taufbecken
häufig 8 Ecken.

Erinnern voll Pr8
an Schöpfungstag 8,
geboren aus der Ostern8.

Andrea Rehn-Laryea, 2008

Montag, 6. Mai 2013

Twitterbibelarbeit auf dem Kirchentag, die Sofaperspektive

(kleiner Hinweis: wer hier den Kirchentagsschal-Tumblr erwartet, findet ihn dort! #ausGründen)

Stell dir vor es ist Kirchentag, sogar ganz in deiner Nähe, aber du kannst (oder willst) nicht hin. Aber reizen würde es dich doch, zu wissen, was die da so machen und worüber geredet wird. Und ein bisschen Input, neue Gedanken zu bekommen, wäre auch nicht schlecht. Dafür schien mir die Twitterbibelarbeit, einen Versuch wert zu sein, bei der "die in der Halle" und ich zu Hause über das Internet via Twitter miteinander in Kontakt stehen und miteinander kommunizieren können.
Kleiner Exkurs für die, die nicht vertraut sind mit Twitter:

Auf Twitter können Kurznachrichten versandt werden, „Tweets“ genannt. Sie dürfen nicht mehr als 140 Zeichen lang sein. Für diesen leider etwas länger geratenen Text würde ich beispielsweise mindestens 80 „Tweets“ brauchen, allein dieser Abschnitt passte in 3. Ich kann entscheiden, wessen Tweets ich lesen möchte und diesen Leuten folgen. Andere können dies mit meinen Nachrichten machen. 

Um bei Twitter mit zu lesen, braucht man keinen Account, nur dann, wenn man selber etwas schreiben oder auf einen Tweet antworten möchte. Wer z.B. meine Gedanken lesen will, braucht nur nach
@KircheHeide zu suchen.

Tweets kann ich an ganz bestimmte Leute senden, indem ich ihren Namen erwähne, der immer mit dem Zeichen „@“ beginnt. Manche Tweets haben ein Stichwort, mit dem sie in einer Suchmaschine gefunden werden können. Dieses Stichwort heißt Hashtag und beginnt immer mit „#“. „
#twibib“ war beispielsweise das Stichwort für die Twitterbibelarbeit.

Gefällt mir ein Tweet, kann ich dafür ein Sternchen geben, ihn „favorisieren“. Anderer Leute Tweets, von denen ich möchte, dass noch mehr Leute sie lesen, kann ich weiterschicken, „retweeten“. Twitter ist so öffentlich aber auch in etwa so zufällig wie ein Gespräch in der Teeküche: im Prinzip kann jede_r „zuhören“ (=lesen) und „mitreden“ (=schreiben), der oder die zufällig vorbei kommt.
Zur Twitterbibelarbeit auf dem Hamburger Kirchentag: „Wäre eine solche Form auch etwas für meine Arbeit?“ habe ich mich im Vorfeld gefragt. Das Medium Twitter kann Menschen an unterschiedlichsten Orten zusammen bringen, könnte also vielleicht auch Urlauber mit Daheimgebliebenen verbinden, den einen Anteil geben an dem Tun der anderen und zum Mitmachen über viele Kilometer hinweg einladen. Um eine mögliche Praxisrelevanz herauszufinden und weil ich selber gerne twittere, machte ich mit. Meine ersten Erfahrungen und Beobachtungen werde ich hier zunächst skizzieren und dann reflektieren. Dabei vermische ich Erfahrungen des ersten und des zweiten Tages.

Wie also geht Twitterbibelarbeit? Von meiner Seite aus so: Ich sitze zu Hause mit einem Kaffee am PC, logge mich bei Twitter ein und verfolge alle Tweets, die mit "#twibib" gekennzeichnet sind. Ich kann auch auf eine spezielle Seite gehen, auf der alle Tweets zum Thema auf einer sogenannten Twitterwall angezeigt werden. Zweimal habe ich bei einer solchen Bibelarbeit in den vergangenen Tagen auf diese Weise mitgemacht, das Ergebnis der dritten später nachgelesen.

Auf dem Kirchentag selbst, das konnte ich anhand von veröffentlichten Bildern sehen, saßen Menschen in einem Raum, vorne war ein Podium aufgebaut, an die Wand wurde neben den Liedern auch besagte Twitterwall projiziert. Und viele hatten ihr Smartphone in der Hand.

Dann war es 09.30 h und es ging los - vermutete ich - denn ich wußte ja nicht mehr, als dass geschrieben stand, es ginge jetzt los. Aber was genau im Raum geschah, bliebt mir verborgen. Nur durch den PC mit den anderen verbunden, war ich wie blind und taub gegenüber dem, was real passierte. Es wurde gesungen, erfuhr ich via Tweet, vielleicht auch noch, welches Lied. Am ersten Tag war ich noch ziemlich orientierungslos, am zweiten funktionierte die zu dieser Aktion gehörende Seite besser und ich konnte dem Verlauf gut folgen.

Die Bibelarbeit begann mit dem Verlesen des Textes, am ersten Tag leider ohne Hinweis auf die betreffende Stelle. Ich hätte nur raten können, um was es da ging, hätte ich mich nicht zuvor, außerhalb der Bibelarbeit, über den betreffenden Text informiert. Die Bibelstelle hätte auf einer zur #twibib gehörenden Seite stehen sollen, die aber leider nicht rechtzeitig freigeschaltet worden war. Am zweiten Tag dann konnte ich dem Text auf der entsprechenden Seite folgen. Hilfreich wäre ein Tweet mit einem direkten Link zum Bibeltext gewesen, während die im Saal ihn vorgelesen bekamen.

Dann begann die Auslegung des Textes. Irgendjemand sagte irgendwas und das wohl ziemlich gut. Nur was? Und wie? Während der Bibelarbeit war ich abhängig von dem, was die aus dem Saal twitterten. Waren sie nur begeistert und schrieben: "Tolle Präsentation des Textes!" nützte mir am PC das überhaupt nichts. Was war denn da so toll? Wie sah das Tolle aus? Ein/e Dolmetscher_in wäre nötig gewesen, mir das Gesehene und Gehörte in meine Sprache "140 Zeichen" zu übersetzen.

Bei der anschließenden kurzen Auslegung des Textes genauso. "XY erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Text." ??? Welche sind das? Wo sieht er oder sie die Zusammenhänge? Was hat er oder sie entdeckt? Wenn niemand sich von der Faszination des Gesagten losreißt und es mir mitteilt, bleibe ich leider außen vor.

Dann wurde eine Impulsfrage gestellt, zu der sich vor Ort kleine Gruppen bildeten. Die Frage wurde getwittert, stand am zweiten Tag auch auf der Seite mit dem Ablauf. Ich saß am PC und überlegte, was die Frage wohl mit dem Text zu tun haben könnte. Was vorher vor Ort besprochen worden war, wusste ich ja nicht. Mir halfen Tweets von anderen aus dem Saal, die den Impuls in Kürze beantworten. Ich versuchte mich daran orientierend, ebenfalls meine Gedanken zu formulieren, reagierte auf andere Tweets, bekam manchmal eine Antwort.
Nebenbei erfuhr ich: "Nele ist blöd! #twibib" - Wer ist Nele?

Mit etwas Zeitverzögerung bekam ich mit, dass die "Murmelgruppen" zu Ende waren. Wer im Saal nicht twittern konnte, hatte die Möglichkeit gehabt, seine oder ihre Gedanken auf ein Stück Papier zu schreiben und ans Podium zu geben, welches die kurzen Texte dann bei Twitter eingab.

Es wurde gesungen, las ich. Währenddessen trudelten weitere Tweets ein. Ein neuer Input wurde gegeben, wieder aber fehlte mir der konkrete Inhalt. Die Mitteilung: „den Zuhörenden werden neue Gedanken mitgegeben“, nützte mir wieder nichts. Ich hätte Stichworte gebraucht, schriftliche Zusammenfassungen des gesprochenen Wortes.
Und wieder las ich „Nele ist blöd! #twibib“ - Vielleicht hatte die Gemeinte es ja noch nicht gemerkt oder nicht erwartungsgemäß reagiert ...

Ein neuer Impuls auf meinem Bildschirm, neue Orientierung an versandten Tweets, schnell nachdenken und in die Tasten hauen. Es musste wirklich sehr schnell gehen, am zweiten Tag wurde zum Glück das Tempo ein wenig rausgenommen.

Irgendwann wurden Fürbitten vorgetragen. Gleichzeitig sollten auch welche per Twitter formuliert werden. So schnell bin ich aber nicht, gleichzeitig die getwitterten lesen, nachdenken und schreiben ging gar nicht. „Beten Sie nach dem Signalton!“ fand ich problematisch. Am zweiten Tag habe ich es gar nicht erst mehr versucht, sondern mein „Amen“ durch Retweeten und Favorisieren dazu gegeben. Abschließend das Vater unser. Das wiederum wurde Zeile für Zeile abgetippt, obwohl DAS doch jede_r können sollte! Fand ich überflüssig.
Den nächsten „Nele ist blöd! #twibib“-Tweet habe ich dann kommentiert - ohne den Zusatz #twibib.

Dass ein Schlusslied gesungen wurde, erfuhr ich dann wieder per Tweet. Und schon war eine sehr intensive Stunde zu Ende. Aufatmen. - Irgendwie wurde es plötzlich ganz still um mich, obwohl auch zuvor nicht mehr als die Computertastatur zu hören gewesen war.

Eine sehr interessante Erfahrung, diese Twitterbibelarbeit! Spannend auch, dass sie sich in dieser kurzen Zeit von drei Tagen bereits sichtlich weiter entwickelte. Vieles, was am ersten Tag noch nicht geklappt hatte, funktionierte schon am zweiten und wurde bis zum dritten noch mal verfeinert. So gelangen bei der dritten Twitterbibelarbeit die entsprechenden "Untertitel" zum Geschehen im Saal sichtlich besser. Auch wenn ich an diesem Morgen weder on- noch offline dabei sein konnte, war später anhand der Tweets gut die morgendliche Bibelarbeit nachvollziehbar! Meine Anerkennung denen, die so flexibel mit dieser neuen Form von analoger und digitaler Bibelarbeit umgegangen sind!

Was nehme ich mit von den Twitterbibelarbeiten? Neben den technischen Voraussetzungen (Laptop, Beamer, Internetzugang - woran es an vielen Orten bereits scheitern dürfte -, Leinwand, Smartphones der Teilnehmenden) braucht es vor allem ein gutes Team mit Twitter Vertrauten, die eine solche Aktion begleiten. Sie müssen viel „Übersetzungsarbeit“ für die nur online Anwesenden leisten. Wobei diese Arbeit eigentlich von allen vor Ort Anwesenden geleistet werden könnte und müsste: alle können und sollten das Gesehene und Gehörte twitternd kommentieren, um die „Fernanwesenden“ (toller Begriff von @Zielkost!) einzubeziehen. Diese Verantwortung füreinander müsste bei weiteren Twibibs möglicherweise stärker und wiederholt kommuniziert werden.

Spannenderweise ist auch "Entschleunigung" ein wichtiges Stichwort für dieses Medium Twitter, das ja eigentlich für seine Schnelligkeit geschätzt wird. Es braucht Zeit zum Lesen, zum Schreiben, zum Reagieren. Was schnell gesagt wird, ist noch lange nicht schnell in Stichworte gefasst, wie jede_r wissen wird, der oder die jemals die Aufgabe hatte, eine nur 10-minütige Diskussion "mal eben" in drei Stichworten zusammen zu fassen.

Bestechend an dieser Form der Bibelarbeit ist natürlich die Möglichkeit, mit jeder und jedem kommunizieren, sich ergänzen, kontrovers zu diskutieren und weiterdenken zu können. Überzeugend auch die durchgängige Möglichkeit der Partizipation und Transparenz durch die Wall. Das setzt aber voraus, dass ich mit dem Medium Twitter bereits einigermaßen vertraut bin. Um mit Twitter im Rahmen einer solchen Bibelarbeit zu beginnen und vertraut zu werden, wird die Zeit nicht reichen. Die Möglichkeit, auch analog auf Zetteln „twittern“ zu können, fand ich daher als Idee genial! Die online wie die analoge Variante sind die konsequente Fortsetzung und partizipatorische Ausweitung der „Anwälte des Publikums“.

Mit den Inhalten ist das allerdings so eine Sache: Was kann in so kurzer Zeit mit so wenig Zeichen weitergegeben werden? Wo bleiben Sprachgewaltigkeit und Wortwitz? Da braucht es noch mehr Übung, scheint mir, bis so eine Twibib mehr ist als ein Anknüpfen an meine eigenen Gedanken und ein relativ oberflächlicher Austausch über ein Thema. Mit anderen Bibelarbeiten und deren Tiefgang scheint sie mir zur Zeit noch nicht vergleichbar zu sein. Allerdings sehe ich darin keine undurchdringbare Grenze sondern eine Herausforderung, die zukünftig in den Blick genommen werden müsste.

Eine Herausforderung sind ebenfalls solche „Nele ist doof! #twibib“ Spamtweets. Sie werden sich nicht vermeiden lassen, eher noch zunehmen, es sei denn, eine Redaktion will sie heraus sortieren, falls so etwas möglich ist. Ich nehme sie als das Hintergrundrauschen, das auch in realen Gruppen durch Seitengespräche entsteht und nie zu 100% ausgeschaltet werden kann.

Ist nun diese Art eine Bibelarbeit oder auch einer Gottesdienstfeier etwas für meine konkrete pastorale Praxis? Vermutlich nur für einen ganz eng umgrenzten, äußerst kleinen Kreis. Kaum jemand aus meinem beruflichen oder privaten Umfeld ist bei Twitter. Ob sich das ändert, wird die Zeit zeigen. So waren diese Twitterbibelarbeiten zunächst einmal allein für mich eine spannende Erfahrung, die mir Spaß gemacht hat und die ich gerne wiederholen würde!
Und - auch wenn ich vermutlich nie wieder von ihr lesen werde - : Ich hoffe, Nele geht es gut!

Mittwoch, 10. April 2013

Kreative Frühlingssehnsucht

Der Frühling lässt auf sich warten, wird aber ganz bestimmt kommen! Um die Wartezeit ein wenig kurzweiliger zu gestalten und den eigenen Sehnsüchten einen Ausdruck zu geben, hier zwei einfache Schreibspielvorschläge für zwischendurch:

1. Nimm das Wort "Frühling" und schreibe zu jedem Buchstaben neue Worte, die mit Frühling zu tun haben. Beispiel:
Farben
Radtour
Überraschungen
Himmelsschlüssel
Liegestuhl
Imker
Nestbau
Grün
Richtig schwierig wird es, wenn die gefundenen Worte einen zusammenhängenden Satz ergeben sollen!


2. Schreibe das Wort "Frühling" zweimal mit einer Lücke dazwischen auf, einmal von vorne nach hinten, einmal von hinten nach vorn:
F _______________ G
R _______________ N
Ü _______________ I
H _______________ L
L _______________ H
I  _______________ Ü
N _______________ R
G _______________ F
 
Finde nun Begriffe, die mit den vorgegebenen Buchstaben beginnen und enden. Z.B.:
F erienplanun G
R ege N
Ü berraschungse I
H imme L
...
Beide Spiele können natürlich mit allen möglichen Worten gespielt werden. Wie wäre es mit "AUFERSTEHUNG", "SPAZIERGANG" oder dem eigenen Namen?

Viel Spaß beim Knobeln!

Unterwegskalender - Vorwort

Wie im Advent an jedem Tag ein Text-Türchen.

Für Urlaubs- und Lebensreisen,

unterwegs und zu Hause,

auf fremden und vertrauten Wegen,

draußen und drinnen.

Jeden Tag im Juli und August

ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen

in der virtuellen Hosentasche

auf den Urlaubs- oder Alltagsweg.