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Sonntag, 13. August 2017

Traditionelles, Kirchliches und Geistliches zur Heideblüte

Vom 08.08. bis zum 09.09. blüht die Heide, sagt man in der Lüneburger Heide. Wie weit die Heide schon in Violett erstrahlt, verrät das Heideblüten-Barometer.


Heideblütenfeste


Der August ist daher auch der Monat der Heideblütenfeste. Zum Teil beteiligen sich auch die lokalen Kirchengemeinden an diesen Festen, zum Beispiel mit ökumenischen Gottesdiensten. Hier eine kleine Übersicht. Sie darf gerne in den Kommentaren ergänzt werden.

Mit Heide geschmückter Wagen beim Heideblütenfest (2012)

Kirchen


Zu jeder Zeit lohnt sich ein Besuch in den katholischen und evangelischen Kirchen. Während die meisten katholischen Kirchen erst in den 60er Jahren gebaut wurden, gibt es unter den evangelischen Kirchen teilweise sehr alte Schätzchen. St. Magdalenen in Undeloh beispielsweise wurde bereits 1244 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Hier, in Raven und Egestorf können Sie unter Überschrift „Musik in alten Heidekirchen“(pdf) jeden Sonntagnachmittag ein anderes besonderes Konzert genießen.

Wo Sie eine katholische Kirche in der Lüneburger Heide finden und wann dort Gottesdienst gefeiert wird, finden Sie am einfachsten über die Kirchensuchmaschine heraus. Die können Sie auch als App auf Ihr Smartphone herunter laden und bundesweit benutzen.

Sollten Sie die Heideblüte in Schneverdingen genießen, lohnt auf jeden Fall ein Besuch in der noch ganz neuen evangelischen Eine-Welt-Kirche mit ihrem Eine-Erde-Altar. Hier sprechen nicht Gold und Glitzer sondern die besondere Architektur. Zu den Öffnungszeiten ist immer jemand vor Ort, der Sie Ihnen gerne erschließt.

Pilgerwege


Auch unabhängig von der lila Heideblüte lädt die Landschaft der Lüneburger Heide zu jeder Jahreszeit zum Unterwegssein ein. Zum Beispiel auf dem Jakobusweg. Anhand alter Pilgerrouten wurde dieser Weg in den vergangenen Jahren neu ausgeschildert. Eine Übersicht über die gesamte Route finden Sie hier (pdf). 

Eine besondere Art, biblische Themen zu „begehen“ bieten der Schöpfungsweg und der Auferstehungsweg an, beide befinden sich in der Nähe von Ebstorf.



Klöster


Ebstorf lädt auch zu einem Besuch eines der sechs Heideklöster ein. Das Kloster Ebstorf ist wie die anderen heute ein evangelisches Frauenstift. Die Stiftsdamen werden bei einer Führung erklären, wie aus dem Benediktinerkloster im Zusammenhang mit der Reformation ein Damenstift wurde. Die anderen Heideklöster finden Sie in Wienhausen, das Kloster Lüne bei Lüneburg, in Medingen, Walsrode und Isenhagen.


Heidschnucken


Wer in der Heide unterwegs ist, möchte gerne auch eine der Heidschnuckenherden sehen, denn bei einer solchen Begegnung wird der bekannte Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ ganz besonders plastisch.

Hier gibt es eine Übersicht, wo Sie mit etwas Glück auf diese wichtigen Helferinnen bei der Landschaftspflege treffen können. Außerhalb der Zeit der Heideblüte, nämlich im Frühjahr, gibt es in Amelinghausen ein ganz besonderes Heidschnuckenerlebnis: Immer sonntags im März, April und Mai, der Zeit, wenn die Schnucken lammen, empfängt Schäfer Thomas Rebre Interessierte ab 13.00h am Schnuckenstall in der Kronsbergheide zum „Lämmergucken für alle“. 

Heidschnuckenherde in der Wachholderheide bei Faßberg
Foto: E. Rehn

Montag, 20. Februar 2017

W@nder – Konferenz über das Geschenk, nicht hinein zu passen

Um was ging es?


Am 14. und 15. Februar 2017 war ich in Hannover bei der Konferenz w@nder. Angesprochen hatte mich, dass es darin um dieses Fremdsein in der Kirche gehen sollte, von Leuten, die sich dennoch stark mit ihr verbunden fühlen, etwas von ihr oder für sie wollen. Den Ausdruck und die Perspektive des „gift of not fitting in“, des Geschenks oder der Gabe, nicht hinein zu passen, fand ich sehr spannend. Und so traf ich mich zusammen mit ca. 120 weiteren W@ndernden aus der katholischen und der evangelischen Kirche sowie verschiedenen Freikirchen in der Hannoveraner Eisfabrik. Eine Dokumentation darüber findet sich auch hier.

Wie es anfing 


Vor Ort wurde mit der Symbolik rund um eine Bergwanderung gespielt. So hatten die Konferenzräume in der Eisfabrik Namen wie Gletscher, Hochebene, Schlucht und Hütte. In letzterer gab es einen angedeuteten Wald. Es brannte sogar ein Kaminfeuer auf einem Bildschirm, echte Holzscheite lagen daneben und es stand dort … ein Feuerlöscher! Man kann schließlich nie wissen!

W@ndernde Gedanken


Ich bin empfänglich für solche Details und während der ersten Interviews des Abends machte ich mir so meine Gedanken über den Raum, das „Feuer“ und den Feuerlöscher. Ein Feuer, das brennt aber nicht verbrennt erinnert mich nun mal an den brennenden Dornbusch. Mose hatte ihn beim Schafe hüten entdeckt und genau dort etwas Wesentliches von Gott verstanden.

Der Feuerlöscher


Und nun waren hier 120 Kirchenleute, potentiell sollten da Gotteserfahrungen/ -begegnungen nicht ausgeschlossen sein. Aber da war auch dieser Feuerlöscher. Für mich der Hinweis darauf, dass es in der Regel nicht so einfach ist, ein neues Feuer zu entfachen und am brennen zu halten. Es wird immer welche geben, die dies für eine Gefahr halten könnten. Dieser Feuerlöscher-Aspekt, eine nicht zu verleugnende kirchliche und gesellschaftliche Realität, kam mir bei den Gesprächen, an denen ich beteiligt war, ein wenig zu kurz.

Thematischer Einstieg


In der Hütte standen aber auch zwei Sofas mit Leuten drauf, die an diesem ersten Abend von ihren positiven Erfahrungen als Pioniere erzählten. Die Projekte waren zweifellos interessant, ließen mich aber etwas ratlos zurück. Was sollte ich damit anfangen? Solche Projekte gibt es viele. Kirchen- und Katholikentage sind voll davon.

Pioniere


Auch am nächsten Morgen wurden zwei Projekte vorgestellt, die sich aus der jeweils persönlichen Erfahrung, „nicht hinein zu passen“ erfolgreich entwickelt hatten. Mit dem englischsprachigen tat ich mich trotz Dolmetscher schwer. Ich brauche einfach etwas länger, um wieder ins Englische hinein oder mit einer Übersetzung klar zu kommen. Viel Neues war für mich nicht dabei, und wenn doch, dann schien ich die einzige unter lauter Wissenden gewesen zu sein. (z.B.: Was hat es mit diesem ominösen „Start with why“ auf sich, was offensichtlich alle selbstverständlich kannten? Inzwischen hab ichs gegooglet.)

Seilschaften und Routen


Am gewinnbringendsten fand ich die „Seilschaften“ und „Routen“, kleinere Gruppen, in denen intensiv miteinander über das gesprochen werden konnte, was die Teilnehmenden bewegte. Spannende Leute habe ich dabei kennengelernt, teilweise gar nicht weit weg von meinem Zuhause und mit ähnlichen Interessen. Vielleicht wächst da ja etwas aus dem einen oder anderen Erstkontakt.

Twitter-Klassentreffen


Gefreut habe ich mich auch, so vielen Tweeps von meiner Twitter-Timeline live und in Farbe begegnen zu können. Das gab mir gleich ein Gefühl der Vertrautheit. Und meine Timeline ist noch weiter gewachsen …

Me not fitting in


Befremdlich fand ich allerdings auch so einiges und habe damit das Konferenz-Thema sozusagen verinnerlicht. Sowohl im großen Rahmen als auch in den kleinen Gesprächsgruppen gab es anscheinend eine unausgesprochene Übereinkunft, es habe bei allen Pionier-Ideen grundsätzlich immer um Gemeindegründungen und um Gemeindeaufbau zu gehen. Von der Gründung einer Hausgemeinde neben der lokalen Kirchengemeinde war z.B. konkret die Rede. Immer aber sollten Leute, wie auch immer, dazu bewegt werden, sich einer Gemeinschaft anzuschließen.

Sogar mein eigener Routenvorschlag, über das Unterwegssein an sich, seinen ihm innewohnenden Sinn, seine mögliche theologische und geistliche Dimension am Beispiel von (Gemeinde-) Ausflügen, Nachtwanderungen oder Geocaching sollte unter der offiziellen Überschrift „Wo fängt Gemeindegründung an? Von Geocaching und Nachtwanderungen“ für das Thema Gemeindebildung vereinnahmt werden. (Hat zum Glück nicht geklappt. Es gab ein paar andere, die auch im Unterwegssein Zuhause waren.)

Menschen begegnen und begleiten muss nicht in Bindung enden


Aber ist es sinnvoll, das Ziel zu verfolgen, Leute an eine Gemeinde/Gemeinschaft binden zu wollen? Ist da nicht (wie ich es für meine Route formulierte:) das Ziel im Weg? Mir geht es bei meiner Arbeit und auch sonst, wenn religiöse oder kirchliche Themen ins Gespräch kommen, erst mal und vor allem um den oder die einzelnen Menschen, mit denen ich da zu tun habe. Um ihr Leben, ihre Fragen, Erlebnisse, Sorgen, vielleicht auch ihren Glauben – in aller Freiheit. Wenn sich daraus Interesse an weiterem Kontakt und/oder an Gemeinde entwickelt: ok, aber nicht vorrangiges Ziel.

Denn: so wichtig Gemeinschaft für die Weiterentwicklung des eigenen und des gemeinsamen Glaubens auch sein mag: sie ist nicht für jede und jeden von solch großer Bedeutung wie für die, die sich einer solchen verbunden fühlen. Das gilt es zu respektieren, auch im Bereich der Kirchen, finde ich. Ich weiß, dass ich mit dieser Ansicht wiederum andere befremde.

Gemeinsame und (wieder) getrennte Wege


Gemeinsam ein kurzes Stück unterwegs sein, und dann trennen sich die Wege wieder: genau das haben wir doch auch bei w@nder gemacht. Und befinden uns damit in guter biblischer Tradition. Kaum vorstellbar, ALLE Zuhörerinnen und Zuhörer der Bergpredigt wären dem Wander(w@nder?)prediger Jesus in einem riesigen Rudel durch die Lande gefolgt! Wer hätte diese Horde dann wohl noch zu Gast haben wollen?!

Sie gingen vielmehr zurück in ihren Alltag. Genauso wie die Geheilten und Aufgerichteten, die dann doch nicht gesteinigte Frau und die am Jakobsbrunnen. Ihr Leben hatte sich radikal verändert. Davon erzählten sie überall. Aber von der Gründung von religiösen Selbsthilfegruppen habe ich in den Evangelien bislang nichts gelesen.

Aus meiner Pilgererfahrung weiß ich, jeweils beide sind gleich wichtig: Die, die unterwegs sind und sich auf Neuland begeben und die, die an einem Ort bleiben und daher anderen Gastfreundschaft anbieten können. Die, die sich vergesellschaften und die, die für sich bleiben.

Abschlussgottesdienst mit Zeichenhandlung


Was mit einem Gespräch am virtuellen Kamin begann, endete an gleicher Stelle mit einem ökumenischen Gottesdienst. Dabei wurden nach der Predigt alle aufgefordert, zwecks eines erfrischenden „sakramemoralen Kneipens“ nach der W@nderung Schuhe und Strümpfe auszuziehen und durch Behälter mit Wasser zu gehen.

Da wurde für mich rund, was mit dem Dornbusch-Bildschirmfeuer begonnen hatte. Damals bei Mose gings zwar weder um Wasser noch um Fußwaschung, beides kommt bekanntlich später, aber auch er wurde aufgefordert: "Zieh deine Schuhe aus." Denn: "Der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land." So ist das: Auch wenn ich noch nicht wirklich greifen kann, was ich von w@nder mitnehme: Göttliches (was für ein großes Wort! Ich hab aber nix anderes) ist eben un-be-greifbar. Aber irgendwie haben wir sowas wie heiligen Boden betreten.

Update (21.02.2017):


Ein sehr fundierter Artikel, der meine Anfrage vertieft, ob es kirchlicher Arbeit immer im Gemeindeaufbau und Gemeindegründungen gehen muss, wurde eben auf Dei Verbum unter der Überschrift "Hat Jesus Gemeinde gewollt?" veröffentlicht. Sehr lesenswert!

Montag, 23. Februar 2015

Meditative Bildbetrachtung zum Weltgebetstags-Titelbild 2015

Quelle: Weltgebetstag
Auf dem diesjährigen Weltgebetstags-Titelbild
eine starke Sonne,
- wie ein prächtiger Sonnenauf-
oder -untergang am Meer -
eine Sonne, die alles durchstrahlt,
den dunkelblauen Himmel durchbricht
und erröten lässt.
Diese Sonne rückt
sechs Flamingos und ein türkisblaues Meer
in ganz besonderes Licht.
Ein unglaublich farbenfrohes Bild!

Mosaikartig die Sonne in ihrem Mittelpunkt.
Vielteilig, brüchig,
wie die Federn der rosa Vögel.
Während die Sonne
geradezu vor Lebenskraft explodiert,
strahlt Ruhe aus
vom Wappentier der Bahamas,
den sechs Flamingos,
die ihre Köpfe tief zum Wasser neigen.

Ganz unten im Bild bricht das Meer auf.
Unter der Wasserdecke verborgen
schauen zwei Füße hervor,
gelb-gold im Licht eines Sonnenstrahls.
Barfuß, nackt, verletzlich.

Etwas steckt dahinter:
hinter diesem Weltgebetstags-Bild
- und unserem romantischen Urlaubsbild
von den Bahamas.
Es steckt etwas dahinter:
hinter der Schöpfung,
hinter ihrer Schönheit,
hinter der Oberfläche unseres Lebens.

Die Natur der Bahamas,
die Schöpfung und unser Leben:
brüchig und voller Sehnsucht
nach Heilsein und Heilung.
Rosa nicht nur die Flamingofedern auf dem Bild,
sondern auch die Korallen
unter den vielen Inseln.
Schön sind sie - aber auch verletzlich.
Bedroht vom Ansteigen der Meere
und nicht nur sie,
sondern alle Natur
und die Menschen.

Flamingos:
auf den Bahamas stehen diese Vögel symbolisch
für die Seelen der Menschen.
Die Brüchigkeit ihrer Federn möglicherweise hier als Bild
für sechs große Probleme
der Frauen, die dort leben,
ihre Hoffnungen und Sehnsüchte:

Für die Brüchigkeit des Lebens der Armen
und ihr Verlangen, Fülle zu erleben.

Für die Sehnsucht jener,
die von häuslicher Gewalt betroffen sind,
auf Überwindung ihrer Scham.

Für den Wunsch von Migrantinnen,
willkommen und mittendrin zu sein.

Für die Suche jugendlicher Mütter
nach Unterstützung und Begleitung
beim eigenen Erwachsenwerden
und der Erziehung ihrer Kinder.

Für das Verlangen
der an HIV und Aids Erkrankten,
zur Gemeinschaft dazu zu gehören.

Und für die Hoffnung
von an Brustkrebs erkrankten Frauen
auf Heilung und Leben.

Sechs Flamingos,
verbeugen sich tief
und trinken.

Es steckt etwas dahinter.
Auch hinter allem Leid.
Die Sonne verbunden
mit den gold-gelben Füssen:
vielleicht eine Fußspur dessen,
der als Licht der Welt
unser Leben
und das Leben der Frauen auf den Bahamas
durchstrahlen und hell machen will.
Fußspuren dessen,
der anderen die Füße
mit Wasser gewaschen hat.
Lebendiges Wasser um diese besonderen Füße,
das sich anbietet,
zur Quelle eines Lebens in Fülle zu werden.

Ein paradiesisches Bild
mit viel dahinter.
Mit kraftvoller Lebensfreude,
verdecktem Leid
und durchbrechender Hoffnung.
Für uns, die Frauen auf den Bahamas
und Menschen in aller Welt.

Andrea Rehn-Laryea

(Zusammengestellt nach Gedanken und Ideen der ökumenischen Weltgebetstags-Vorbereitungsgruppe Amelinghausen mit Frauen aus den Gemeinden Hippolit, Pella und  St. Godehard)

Donnerstag, 29. Mai 2014

Predigt zum ökumenischen Himmelfahrtsgottesdienst 2014 in der Oldendorfer Totenstatt

Alle Jahre treffen wir uns wieder hier in der Oldendorfer Totenstatt. Leute aus der Hippolit- und der Pella-Gemeinde, aus St. Godehard und von manchen anderen Kirchengemeinden. Leute aus Oldendorf, Dehnsen, Amelinghausen, Rehlingen und vermutlich noch anderen Orten. Leute aus der Samtgemeinde und auch Gäste von weiter her.

Wir treffen uns, um Himmelfahrt zu feiern, große und kleine Leute. Für die Kinder ist dieser Gottesdienst immer ein Highlight, denn später lassen sie auch in diesem Jahr wieder Luftballons steigen. Dann schauen wir alle in den Himmel, wie die bunten Luftballonpunkte immer kleiner und kleiner werden.

Himmelfahrt und Luftballons: bei unserem ökumenischen Gottesdienst gehört beides zusammen. Wie wäre es, wenn die Luftballons mehr wären, als nur eine nette Kinderaktion? Vielleicht lässt sich anhand dieser luftig-leichten Gebilde ja etwas von dem verständlich machen, wie es den Jüngerinnen und Jüngern damals mit Jesus ging.

Als sie Jesus kennenlernten und mit ihm zusammen waren, wurde manches Schwere leichter. (auf Luftballon "Jesus" schreiben.) Sie erfuhren, wie in Jesu Gegenwart Menschen gesund wurden. Blinde konnten sehen, Lahme gehen und Gehörlose hörten plötzlich alles ganz genau. Sie hörten, wie Jesus von seinem Vater im Himmel sprach und davon, dass sein Reich, Gottes Reich, bereits auf der Erde begonnen hat.

Durch Jesu Predigten wurden seine Freundinnen und Freunde ermutigt, Hungrigen zu essen und Durstigen zu trinken zu geben, Fremde aufzunehmen und Nackte zu bekleiden, Kranke und Gefangene zu besuchen und in all diesen nächsten Menschen Christus selbst zu sehen. So, sagte Jesus, würden sie mitarbeiten am Reich Gottes.

Ein lebendiges Stück Himmel schien mit Jesus auf die Erde gekommen zu sein. Eine große Hoffnung auf ein Ende von allem Elend und Leid. Etwas Leichtigkeit, wie beim Spiel mit einem Luftballon. (Luftballon hochwerfen oder in die Gemeinde.)

Dann aber der Schock an Karfreitag: Jesus wird zu unrecht verurteilt und hingerichtet. Und seine Freundinnen und Freunde können nichts tun. Alle ihre Hoffnungen platzen. (Luftballon zerplatzen lassen.) Von Jesus scheint nichts mehr übrig geblieben zu sein als eine leere, tote Hülle. (Luftballonrest zeigen.) Aber dann: große Aufregung, als sie erfahren, dass Jesus lebt, dass er noch da ist. Dass der Tod keine Macht über ihn hatte, dass Jesus anders da ist, fremd und vertraut zugleich. (exakt gleich aussehenden mit Gas gefüllten Ballon nehmen.)

Jesu Jüngerinnen und Jünger brauchten Zeit, um das zu verstehen. Viel Zeit. 40 Tage heißt es in dem Bibeltext, den wir eben gehört haben. Aber dann: 40 Tage nach seiner Auferstehung verschwindet Jesus in einer Wolke und ist für die Jüngerinnen und Jünger plötzlich nicht mehr greifbar. (Luftballon steigen lassen.) Weg. Im Himmel. Meinen sie zumindest. Wo er da wohl ist? Bei seinem Vater, glauben wir mit ihnen, ganz dicht bei Gott. Die Jüngerinnen und Jünger schauen in die Wolken und hängen so ihren Gedanken nach.

Darin werden sie aber abrupt gestört. "Was schaut ihr da zum Himmel?!" werden sie aus ihren Gedanken gerissen. Es ist, als würden die beiden Engelsgestalten sagen: Jetzt hattet ihr schon 40 Tage Zeit zu begreifen, dass etwas ganz Neues begonnen hat mit Jesu Auferstehung. 40 Tage! Und ihr wisst ja: Immer wenn die Zahl 40 in der Bibel auftaucht, geschieht ein grundlegender Wandel. 40 Tage war Jesus in der Wüste, 40 Jahre sogar das Volk Israel. Und beide Male tut sich was am Himmel.

Für das Volk Israel war eine Wolke so eine Art Navi, das sie durch die 40 Jahre in der Wüste führte. Und zumindest Mose lies sich so von Gott leiten.

Und am Ende von Jesu 40tägiger Wüstenzeit, als er sich im Jordan von Johannes taufen lies, war eine Stimme aus dem Himmel zu hören, die von seiner Berufung sprach: Du bist mein geliebter Sohn!

Und jetzt wieder die Zahl 40, die 40 Tage seit der Auferstehung. Und immer noch müssen die Jüngerinnen und Jünger, die dem zum Vater gehenden Jesus nachschauen, darauf gestoßen werden: Bleibt auf dem Boden! Hebt nicht ab! Jesus kommt ja wieder. Aber bis dahin ist jede Menge auf der Erde zu tun!

Dabei wären sie vermutlich gerne selbst mit ihren Gefühlen und Gedanken weiter ganz nahe bei Jesus Christus geblieben. Da rissen die Worte der Gottesboten sie aus ihren Gedanken und erinnerte sie daran, wie Jesus vom Reich Gottes gesprochen hatte. Dass es schon da ist und dort! Hier auf der Erde! Und dass sie ihm zum Durchbruch verhelfen und daran mitarbeiten können und sollen!

Wenn wir die Bibel weiterlesen, konnten die Jüngerinnen und Jünger später wirklich wundervolle Dinge tun und zum Beispiel kranke Menschen heilen.

Ist das heute eigentlich immer noch so? Wie ist das heute mit dem Reich Gottes? Wenn ich die Nachrichten höre mit den kriegerischen Unruhen in der Ukraine, den gekidnappten Mädchen in Nigeria, Naturkatastrophen, Krankheiten, Unfällen und Armut, dann fällt es mir manchmal schwer, etwas von diesem verheißenen Reich Gottes zu entdecken.

Und wie ist das ganz konkret bei uns? In Oldendorf, Marxen, Dehnsen, Soderstorf, Amelinghausen oder wo sonst Sie zu Hause sind? Gibt es da etwas vom Himmelreich, vom Reich Gottes zu entdecken?

Wenn ich wissen will, was los ist in unserer Samtgemeinde, mache ich das Gleiche wie vermutlich viele von Ihnen: Ich schaue in den Lopautaler. Ob da vielleicht auch etwas über das Reich Gottes drin steht?

In der Maiausgabe der Lopautal Nachrichten lese ich zum Beispiel, dass es im Kindergarten von Oldendorf jetzt Streitschlichter gibt. Die Kinder lernen hier von klein auf, untereinander für Frieden zu sorgen. "Selig sind, die Frieden stiften", sagt Jesus. Frieden hat doch auf jeden Fall etwas mit Reich Gottes zu tun!

Immer wieder lese ich auch, wie die Feuerwehr bei Unfällen und Bränden geholfen hat, wie Männer und Frauen mutig andere Menschen aus Lebensgefahr retten. Leben retten schmeckt für mich ebenfalls ganz intensiv nach Reich Gottes!

Blättere ich weiter, erfahre ich, dass in unserer Samtgemeinde viele Menschen bereit sind, sich zum Beispiel um Asylsuchende zu kümmern. Sie bringen ihnen Deutsch bei und unterstützen sie darin, ein gerechtes Asylverfahren zu bekommen. "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen!" Das sagt Jesus. Und bei uns tun das einige. Wirklich! Und mit Überzeugung.

Außerdem wird sich bei uns um den Wald gekümmert und um Tiere, es wird Blut gespendet und Geld und viele Menschen engagieren sich, um mit ihren Begabungen anderen eine Freude zu bereiten. Indem sie zum Beispiel ein Instrument spielen - wie in diesem Gottesdienst - oder für andere singen oder tanzen.

Hätten Sie gedacht, dass es bei uns schon so viel Reich Gottes, so viel Himmel auf Erden gibt? Mitten unter uns gibt es jede Menge Menschen, die pflegen, helfen, spenden, beten, anpacken, nachdenken, Verantwortung übernehmen oder anderen eine Freude machen. Und wahrscheinlich sitzen sogar die meisten hier von uns neben einem solchen Menschen.

Wenn in diesen Tagen die neuen Lopautal Nachrichten für Juni in Ihrem Briefkasten liegen oder eine andere Zeitung aus der Region, aus der Sie kommen, dann schauen Sie sie doch einfach mal unter der Perspektive durch: Wo arbeiten in meinem und unserem Umfeld Menschen ganz konkret mit am Reich Gottes und bringen so ein Stück Himmel auf die Erde?

Am Reich Gottes mitbauen können wir. Und wir wollen es auch. Aber es ist nicht immer leicht und braucht eine Menge Kraft und Ausdauer. Natürlich schaffen wir das nicht allein. Das wissen wir. Wir brauchen einander. Vor allem aber brauchen wir dazu Gottes Hilfe. Dass er immer bei uns ist und mit anpackt, hat er versprochen. Darauf können wir uns verlassen.

Wenn die Kinder gleich mit ihren Luftballons kommen und sie in den Himmel steigen lassen, kann das für uns ein Zeichen sein: Das Reich Gottes ist auf der Erde zwar schon angebrochen, aber es braucht den Himmel und Gottes Geist, um es zu vollenden. Die davon fliegenden Luftballons verweisen uns auf unseren Glauben und unsere Hoffnung: Dass da in Sachen Reich Gottes noch mehr zu erwarten ist, als wir mit unseren Händen schaffen können. Was wir im Kleinen anfangen, wird einmal von Gott und Jesus Christus, dessen Himmelfahrt wir heute feiern, vollendet werden. Die Erde braucht den Himmel. Unbedingt.

Amen.

Unterwegskalender - Vorwort

Wie im Advent an jedem Tag ein Text-Türchen.

Für Urlaubs- und Lebensreisen,

unterwegs und zu Hause,

auf fremden und vertrauten Wegen,

draußen und drinnen.

Jeden Tag im Juli und August

ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen

in der virtuellen Hosentasche

auf den Urlaubs- oder Alltagsweg.